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Netzwerke zwischen Populisten : Amerika reicht Europas Rechten die Hand

Unglaubwürdige Argumente

Andere Führungspolitiker der AfD variieren dieses Thema. Der Bundesvorsitzende Alexander Gauland sagt, Europa sei zumindest „erst einmal“ gut beraten, „auf Gegenmaßnahmen zu verzichten“, und Georg Pazderski, einer seiner Stellvertreter, fragt, ob Trumps Politik angesichts europäischer Sünden nicht einfach nur „folgerichtig“ sei. „Die EU“, stellt Pazderski fest, „gibt sich in diesem Konflikt als der große Verlierer, aber man sollte sich nur dann als Opfer inszenieren und Gegenmaßnahmen ergreifen, wenn man selbst eine reine Weste hat.“ Beatrix von Storch schließlich nennt die europäische Kritik an Amerika „doppelzüngig“, und empfiehlt ihrerseits „Verhandlungen über den Abbau von Zöllen auf beiden Seiten“.

Dieses Argument wäre glaubwürdiger, wenn die AfD in den vergangenen Jahren mit ihrem Widerstand gegen das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP nicht alles daran gesetzt hätte, genau die Verhandlungslösung zu torpedieren, die sie jetzt fordert. TTIP hätte viele Probleme aus der Welt geschafft, die heute zwischen Amerika und Europa fast unlösbar erscheinen.

Zu diesen Problemen gehört, dass die EU nach den geltenden Prinzipien der WTO ihre Zollschranken im Handel mit Amerika nur im Rahmen eines bilateralen Handelsabkommens senken könnte. Im Falle eines europäischen Alleingangs würden die Regeln nämlich auch für Konkurrenten wie China, Indien, Brasilien, Südkorea oder Japan gelten, ohne dass die ihren Markt öffnen müssten.

„Dem jungen Publikum Nationalismus näherbringen“

TTIP, das gescheiterte Abkommen zwischen Amerika und der EU, hätte hier helfen können. Es hätte zum Beispiel die Zölle beider Seiten auf Autos mit einem Federstrich vollständig gestrichen. Die AfD in Deutschland war dagegen. Gauland nannte das Projekt „undemokratisch und intransparent“, Pazderski schalt es ein „Hassobjekt über alle Parteigrenzen hinweg“. Auch in Trumps Amerika wuchs die Abneigung gegen Handelsabkommen aller Art.

Die stille Zusammenarbeit, die damals begann, setzt sich heute fort, und im Hintergrund erscheint immer wieder dieselbe Person: Bannon. Der Mann, der lange „Breitbart“ führte, hat zwar im vergangenen Jahr seine Position als Präsidentenberater verloren, aber das hindert ihn nicht daran, in ganz Europa weiter seine Netze zu knüpfen.

Bei der AfD setzt er auf Weidel und von Storch. Wenn er sich diese beiden anschaue, hat er gesagt, dann fühle er, „dass sie im Laufe der Zeit in der Lage sein werden, die Mittelklasse anzusprechen und einem jungen Publikum Populismus und Nationalismus näherzubringen.“

Was kann man von Bannon lernen?

Das Lob ist nicht unerwidert geblieben: „Vor kurzer Zeit“ erst, sagt zum Beispiel Weidel, habe sie Bannon getroffen, um sich mit ihm über „alternative Medien“, über Amerika und über Europa zu unterhalten. Ihr Eindruck von dem Gesprächspartner war denkbar positiv: „Ich halte ihn für einen sehr gut informierten und analytisch starken Geist, von dem man einiges lernen kann.“

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