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Sterbehilfe : Niederlande erlauben Tötung auf Verlangen

  • -Aktualisiert am

Demonstration gegen Euthanasie in Amsterdam Bild: dpa

Die Niederlande erlauben aktive Sterbehilfe. Die Erste Kammer des Parlaments verabschiedet am Dienstag ein entsprechendes Gesetz.

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          Aktive Sterbehilfe wird in den Niederlanden gesetzlich gestattet. Am 10. April entscheidet die Erste Kammer des niederländischen Parlaments (die Kammer der Provinzen) als letzte gesetzgebende Instanz über das Gesetz zur freiwilligen Euthanasie. Eine Ablehnung gilt als höchst unwahrscheinlich. Damit werden die Niederlande das einzige Land der Welt sein, in dem Tötung auf Verlangen durch den Arzt gesetzlich geordnet ist.

          Mit dem Gesetz werde endlich eine gängige Praxis offiziell geregelt, sagen seine Befürworter. Schon seit 1969 wird in Holland über die Frage der aktiven Sterbehilfe diskutiert, so wie in fast allen anderen westlichen Staaten. Die Angst vor der immer perfektionierteren Gerätemedizin und die Zunahme von langen Pflegezeiten von Krebs-, Schlag- und Herzanfallpatienten haben die Debatte aufkommen lassen.

          „Guter Tod“

          Anders als in Deutschland oder den Vereinigten Staaten hat die Auseinandersetzung mit dem Thema Euthanasie in den Niederlanden eine kürzere Geschichte. Während die Frage der Sterbehilfe, der griechischen Bedeutung von Euthanasie nach eigentlich der „gute Tod“, in Amerika und Deutschland schon in den dreißiger Jahren gestellt wurde und in Deutschland in der Ermordung von geistig und körperlich Behinderten im Dritten Reich gipfelte, ist die Euthanasie-Debatte in Holland ein Produkt der Nachkriegszeit. „Euthanasie“ heißt im Niederländischen schlicht „Sterbehilfe“.

          „Tötung auf Verlangen“

          Das Gesetz sei nicht aus der Luft gefallen, sondern es sei die Konsequenz aus einer seit zwanzig Jahren währenden Diskussion, sagt ein Sprecher des niederländischen Justizministeriums. Stück für Stück ist die Euthanasie als neue Form des Sterbens im der niederländischen Gesellschaft zur akzeptierten Form des Lebensendes geworden. Die Gesundheitsministerin Els Borst-Ellers von der liberalen Partei D'66 erhofft sich nun von einem Gesetz zur Tötung auf Verlangen mehr Rechtssicherheit für Ärzte und Patienten. Die Niederländische Vereinigung für freiwillige Euthanasie (NVVE) ist froh, dass Sterbehilfe nicht mehr strafbar ist.

          Verlangen und Prüfung

          Das Gesetz sieht vor, dass Ärzte aktive Sterbehilfe leisten dürfen, wenn erstens ein Patient ein Verlangen nach Sterbehilfe unbeeinflusst, freiwillig, „wohlüberlegt“ und andauernd ausspricht. Zweitens muss der Arzt prüfen und bestätigen, dass der fragende Patient unerträglich und andauernd leidet und nicht zu heilen ist. Nach einem angemessenen Zeitraum des Gesprächs darf der Arzt dann aktive Sterbehilfe leisten, wenn er sich zuvor mit einem Kollegen beraten hat. Mit diesem Dialog, der ein enges Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient voraussetzt, sollen Kurzschlusshandlungen vermieden werden. Auch einem Sterbehilfe-Tourismus ähnlich der früheren Abtreibungsfahrten soll diese Gesprächszeit vorbeugen. Nach dem Tod des Patienten muss der Arzt den Fall einer Kommission melden, die aus einem Mediziner, einem Juristen und einem Ethiker besteht. Die Kommission prüft die Rechtmäßigkeit der Sterbehilfe und zeigt sie gegebenenfalls der Staatsanwaltschaft an. Das Gesetz legalisiert weder die Beihilfe zum Selbstmord noch die ungefragte Tötung eines Schwerkranken. Sterbehilfe darf nur ein Arzt leisten, Krankenschwestern oder Verwandte machen sich strafbar.

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