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Nationalistenführer Bandera : Kein Symbol für die heutige Ukraine

Anhänger nationalistischer Parteien tragen bei einer Demonstration am 1. Januar 2020 in Kiew Porträts von Stepan Bandera Bild: dpa

Der Nationalist Stepan Bandera taugt nicht als Symbol für die moderne Ukraine. Aber es lohnt sich, der Frage nachzugehen, warum der ukrainische Botschafter Melnyk ihn als „Freiheitskämpfer“ bezeichnet.

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          Der ukrainische Botschafter in Berlin Andrij Melnyk ist kein Nationalist, Antisemit oder pathologischer Feind Polens. Er ist durch und durch ein Vertreter jener demokratischen Ukraine, die gerade im Überlebenskampf gegen die Aggression der russischen Diktatur steht.

          Dennoch hat er in einem Interview Stepan Bandera als „Freiheitskämpfer“ bezeichnet – einen Mann, der in der Zwischenkriegszeit den polnischen Staat als Terrorist bekämpft hat, Antisemit war und von einer Ukraine ohne ihre vielen ethnischen Minderheiten träumte. Die von Bandera geführten Organisationen haben im Zweiten Weltkrieg (während er in deutscher Haft war) Zehntausende Polen und Juden ermordet.

          Die schwierige Geschichte der Ukraine

          Die scharfe Kritik an Melnyk wegen seines Lobes für Bandera ist deshalb berechtigt. Bandera und seine Leute taugen nicht als Symbol für eine moderne Ukraine. Aber Melnyks Äußerungen sollten für Deutsche ein Anlass sein, sich mit der schwierigen Geschichte der Ukraine zu befassen.

          Es gibt eine Vielzahl von Gründen dafür, dass sich in der Ukraine selbst viele unzweifelhafte Demokraten schwer damit tun, Bandera in Bausch und Bogen zu verurteilen. In jenem Gebiet im Osten Europas, das ab 1939 zwischen die Mahlsteine der beiden menschenfressenden Totalitarismen des Nationalsozialismus und des Stalinismus geraten sind, konnte es keine untadeligen Helden geben.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

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