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Steinbrück : Deutsch

Mehr als 20 Jahre nach der Einheit redet Peer Steinbrück immer noch pauschal über Ostdeutsche. Als gäbe es keine regionalen Unterschiede, keine eigenen Wege und Entscheidungen, als würde der Stempel „ostdeutsch“ noch immer alles erklären.

          Steinbrück rede über Ostdeutsche wie über Fremde, kritisiert Sachsens Ministerpräsident Tillich und benennt doch nicht den entscheidenden Fehler des SPD-Kanzlerkandidaten: Dass der überhaupt noch pauschal über Ostdeutsche redet. Als gäbe es keine regionalen Unterschiede, keine eigenen Wege und Entscheidungen, als würde der Stempel „ostdeutsch“ noch immer alles erklären - oder entschuldigen.

          Auch die Europapolitik der Kanzlerin. Mehr als 20 Jahre nach der Einheit. Ein Trauerspiel. Wenn Steinbrück beklagt, Merkel habe keine leidenschaftliche Rede über Europa gehalten, verdrängt er wohl, dass sie für vieles bekannt ist, aber nicht für ihre leidenschaftlichen Reden. Also fehlt es Ostdeutschen an Leidenschaft? Oder ist Merkel einfach nur Merkel?

          Unpassend ist auch das pauschale Lob, dass Steinbrück nun an die Ostdeutschen verteilte. Als hätten sie alle gleichermaßen etwas geleistet, nur weil sie ihre Leben weitergelebt haben. Mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg. In ihren Städten und Dörfern, als Sachsen oder Mecklenburger. Nur für Außenstehende sind sie dabei allein Ostdeutsche geblieben.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

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