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Stasi-Studie : Mielkes langer Schatten

  • -Aktualisiert am

Die Stasi führte in den westdeutschen Medien mehr Agenten, als bisher bekannt ist. Jetzt zeigt sich die ARD mit einer neuen Studie als Vorreiterin der Aufklärung. Ihre eigenen Mitarbeiter überprüft sie nicht.

          Für nichts interessieren sich die Medien so sehr wie für sich selbst. Wenn die ARD am Montag in Berlin zu einer Pressekonferenz lädt, um eine neue Studie über Stasi-Aktivitäten in den Rundfunkanstalten vorzustellen, dürfte der Saal voll sein. Wer weiß, denkt sich mancher, wer wohl alles bei Stasi-Chef Erich Mielke unter Vertrag stand.

          Dabei hatte WDR-Intendant Fritz Pleitgen schon im Juni Entwarnung gegeben. Gefragt nach den Ergebnissen der 1095 Seiten umfassenden Untersuchung aus dem renommierten Forschungsverbund SED-Staat, erklärte er stolz: "Es ist der Stasi nicht gelungen, auch nur einen einzigen Inoffiziellen Mitarbeiter im WDR zu plazieren." Um so mehr seien das ZDF und die Printmedien aufgefordert, ihre Geschichte aufzuarbeiten.

          Ein unbefleckter Vorreiter der Stasi-Aufarbeitung?

          Das Vorhaben der ARD, so beispielhaft es ist, hat durch diese Äußerungen schon vor der Veröffentlichung für Stirnrunzeln gesorgt. Die Sendergemeinschaft präsentiert sich als unbefleckter Vorreiter der Stasi-Aufarbeitung, obwohl gerade ihre Anstalten in den vergangenen Jahren mit Verstrickungen Schlagzeilen machten. Ob Sportkoordinator Hagen Boßdorf, der einst im Stasi-Wachregiment diente und dann als IM registriert wurde, ob Showmaster Ingo Dubinski, der in seiner Armeezeit einen Kameraden bespitzelte - immer mußten erst andere kommen und den Sendern die Akten vorhalten.

          Will man sich nun mit der Studie von der Vergangenheit freikaufen? Ob das Thema Stasi für die ARD damit vom Tisch ist, bleibt fraglich. Nur die ostdeutschen Sender MDR und ORB haben ihre festen und freien Mitarbeiter systematisch überprüft. Pleitgens Stellvertreter Norbert Seidel schrieb dagegen, als der Fall des beim WDR geschätzten Günter Wallraff hochkam: "Eine Überprüfung aller WDR-Mitarbeiter auf mögliche frühere Stasi-Tätigkeiten ist nicht beabsichtigt." Dabei soll es, dem ARD-Vorsitzenden Jobst Plog zufolge, auch bleiben.

          Seit April kann in der DDR-Spionagekartei recherchiert werden

          Erst seit kurzem gibt es überhaupt die Möglichkeit, Stasi-Zuträger in den westdeutschen Medien ausfindig zu machen. Durch die Freigabe der sogenannten Rosenholz-Unterlagen kann seit April 2004 in der DDR-Spionagekartei recherchiert werden. Allein die für "Desinformation" zuständige Stasi-Abteilung führte danach fast 700 Inoffizielle Mitarbeiter (IM).

          Obwohl die Birthler-Behörde das Material bislang nur tröpfchenhaft herausgibt, sind schon mehrere eklatante Fälle bekanntgeworden: So war der DGB-Vertreter im ZDF-Fernsehrat Günter Scheer unter dem Decknamen "Gaston" ein hochkarätiger Stasi-Agent. Auch der frühere Moskau-Korrespondent des "Kölner Stadtanzeigers" Uwe Engelbrecht wurde jahrzehntelang als IM "Rabe" geführt. Jetzt hat er gegenüber der "Welt" zugegeben, mit der Stasi zusammengearbeitet zu haben.

          Die Medien waren für die DDR wenig interessant

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