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Stammzellen : Amerikanische Forscher klonen menschlichen Embryo

  • Aktualisiert am

Genom-Editieren - ein neuer Schritt in Richtung Mensch von der Stange? Bild: dpa

Aus dem Embryo sollen Stammzellen zur Therapie von Krankheiten gewonnen werden, teilte das Unternehmen aus Massachusetts mit.

          3 Min.

          In den USA hat ein Unternehmen für Biotechnologie eigenen Angaben zufolge einen menschlichen Embryo zu therapeutischen Zwecken geklont.

          Dem Unternehmen gehe es nicht darum, geklonte Menschen zu schaffen, erklärte das Unternehmen Advanced Cell Technology (ACT) am Sonntag. Ziel sei vielmehr die Entwicklung von Therapien gegen zahlreiche Krankheiten, darunter Diabetes, Krebs, Aids und Alzheimer. Es ist das erste Mal, dass jemand behauptet, einen menschlichen Embryo geklont zu haben. In den USA diskutiert zurzeit der Kongress über ein Verbot des Klonens von Menschen. Deutschland und Frankreich hatten sich im August für ein weltweites Verbot ausgesprochen.

          „Wissenschaftlich betrachtet, biologisch gesehen, sind die Gebilde, die wir schaffen, keine Individuen", sagte ACT-Chef Michael West dem Fernsehsender NBC. „Es sind nur lebendige Zellen, kein menschliches Leben", sagte er. Falls der Embryo jedoch in die Gebärmutter einer Frau eingepflanzt würde, wären er wahrscheinlich zu einem Menschen geworden, fügte er hinzu. Das Unternehmen habe allerdings „radikale Maßnahmen“ ergriffen, um sicher zu stellen, dass durch die angewandte Technik kein geklonter Mensch entstehe.

          Den Angaben zufolge hat die in Worcester im US-Bundesstaat Massachusetts ansässige Firma einen kleinen Ball aus sechs Zellen entwickelt, aus dem nun Stammzellen gewonnen werden können. Stammzellen aus Embryonen sind wegen ihrer Wandlungsfähigkeit möglicherweise in der Lage, abgestorbenes Gewebe in jedem Organ zu ersetzen.

          Umstrittenes Verfahren

          Bei der Entnahme von Stammzellen wird der Embryo zerstört. Die bisher dafür genutzten Embryonen wurden künstlich erzeugt, dann aber nicht zur Weiterentwicklung in den Körper einer Frau eingepflanzt. Auch dieses Verfahren ist wegen der Zerstörung der Embryos umstritten. Der Deutsche Bundestag will im Januar darüber beraten. Das Klonen ist ein Verfahren zur ungeschlechtlichen Vermehrung und erzeugt erbgleiche Wesen.

          ACT entwickelte den Zellball mit Hilfe einer Eizelle und einer menschlichen Hautzelle. Unter Verwendung der bekannten Verfahren für das Klonen von Tieren habe man an die Stelle der DNS der Eizelle die DNS aus dem Kern der Hautzelle gesetzt, sagte ACT-Vizepräsident Joe Cibelli, der das Forschungsteam leitete. Die DNS ist die Trägerin der Erbinformation. Die Eizelle habe sich daraufhin entwickelt, als ob sie befruchtet worden sei, sagte Cibelli.

          Zellball statt Kind

          Statt eines Kindes sei jedoch der Zellball entstanden. Das Unternehmen teilte nicht mit, ob es aus dem Ball bereits embryonale Stammzellen entnommen hat. Falls sich die geklonten menschlichen Zellen wie geklonte tierische Zellen verhielten, habe man nun möglicherweise auch ein Mittel in der Hand, um altersbedingte Beschwerden aufzuhalten, sagte West.

          Vertreter des US-Kongress reagierten umgehend mit Ablehnung auf die Nachricht. „Das geht in die falsche Richtung“ sagte Tom Dachle, Vorsitzender der demokratischen Mehrheit im US-Senat. Auch ein führender Vertreter der regierenden Republikaner, Senator Richard Shelby, sagte im Fernsehen, er gehe davon aus, dass die Volksvertreter das Klonen von Menschen nicht erlauben werden. Das Repräsentantenhaus hatte sich im August für ein Verbot des Klonens von Menschen ausgesprochen. Über das Gesetz wird derzeit im Senat beraten.

          Kein Klon-Verbot in Großbritannien

          Während in die USA die Stammzellenforschung immer konkretere Züge annimmt, werden in Europa erst einheitliche Richtlinien definiert. Die britische Regierung hat erst vergangenen Mittwoch ein Gesetz zum Verbot menschlicher Babys durch Klonen ins Parlament gebracht. Der Entwurf verbietet das Einsetzen von Embryonen in den Mutterleib, die nicht durch Befruchtung eines Eis durch Sperma entstanden sind. Er ist die Reaktion auf eine Entscheidung des Obersten Gerichts von der vergangenen Woche, dass es in Großbritannien kein Verbot zum Klonen von Menschen gibt.

          Nationaler Ethikrat

          Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) hat in diesem erstmals Bedingungen für die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen genannt. Sollte eine Bundestagsmehrheit dafür zu Stande kommen, müsse diese Forschung an die Einhaltung strikter Sicherheitsauflagen geknüpft werden, sagte Bulmahn. Dies gelte für staatlich geförderte Projekte wie auch für die privaten Labors der Wirtschaft.

          Der von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) eingesetzte Nationale Ethikrat wird an diesem Donnerstag erste Empfehlungen zur Stammzellenforschung vorlegen. Nach Auffassung Bulmahns muss eine EU-weite Regelung angestrebt werden.

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