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Umgang mit Hinterbliebenen : Stabschef Kelly „fassungslos“ über Vorwürfe gegen Trump

  • Aktualisiert am

John Kelly unterstützt Präsident Trump vor der Presse. Bild: THEW/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Er habe gedacht, wenigstens die Kondolenzanrufe des Präsidenten seien noch heilig, sagt Stabschef Kelly. Selbst Vater eines im Einsatz gefallenen Sohnes verteidigt er jetzt Donald Trumps Umgang mit Hinterbliebenen.

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          Mit einem sehr persönlichen und scharfen Statement hat sich jetzt Stabschef John Kelly in den Streit eingeschaltet, wie der amerikanische Präsident Donald Trump mit der Witwe eines getöteten Soldaten umgegangen ist. Der ehemalige General ist selbst Betroffener, denn er hat seinen Sohn 2010 in Afghanistan verloren.

          Kelly zeigte sich in einer sehr emotionalen Ansprache am Donnerstagabend (Ortszeit) „fassungslos“ über Vorwürfe der demokratischen Abgeordneten Frederica Wilson. Diese hatte dem Telefonat Trumps mit der Witwe des Soldaten La David Johnson beigewohnt und dem Präsidenten kaltherzige Äußerungen vorgeworfen. Während seiner Ansprache erinnerte sich Kelly sichtlich bewegt an Reaktionen und Anrufe nach dem Tod seines Sohnes.

          „Ein Kongressmitglied, das einem Telefonat des Präsidenten mit einer jungen Ehefrau zuhört“, sagte Kelly – „das macht mich absolut fassungslos. Ich dachte, wenigstens das wäre heilig.“ Er sei so erschüttert gewesen, dass er zunächst einen langen Spaziergang auf dem Soldatenfriedhof Arlington National Cemetery in Washington gemacht habe. Außerdem reklamierte er einen angemessenen, würdigen Umgang der Medien mit dem Thema.

          Kellys Auftritt lässt sich so interpretieren, dass das Weiße Haus versucht, den von Trump verursachten Schaden durch einen seiner besten Leute einzudämmen. Kelly hat dafür eine besondere Glaubwürdigkeit. Sein Sohn fiel 2010 in Afghanistan, und als Marines-Kommandeur hat er große Erfahrung mit dem Tod von Soldaten. Trump hatte vor kurzem seinen Amtsvorgängern vorgeworfen, sie hätten nie oder nur selten bei Hinterbliebenen angerufen, er dagegen bei allen. Beides war unwahr.

          Er selbst habe Trump von dem Anruf  bei der Witwe des getöteten 25 Jahre alten Soldaten La David Johnson abgeraten, sagte der General. Der Präsident habe der Soldatenwitwe dann aber „auf seine Weise“ sagen wollen, dass ihr Mann ein „mutiger Mann“ gewesen sei, ein „gefallener Held“, der gewusst habe, worauf er sich als Soldat einlasse, und der zum Zeitpunkt seines Todes dort gewesen sei, wo er habe sein wollen.

          Die demokratische Abgeordnete Wilson hatte von dem Telefonat des Anfang Oktober im westafrikanischen Niger getöteten Johnson berichtet. Demnach sagte Trump der Witwe, ihr Mann habe sicherlich „gewusst, worauf er sich einließ, als er sich verpflichtete“. „Aber ich vermute, es tut trotzdem weh.“ Der mutmaßlich ruppige Umgang des Präsidenten mit der Witwe sorgte für eine Welle der Empörung.

          Trump hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Mutter des getöteten Soldaten, die bei dem Anruf ebenfalls zugegen war, warf dem Präsidenten aber vor, sich gegenüber ihrem Sohn und der Familie „respektlos verhalten“ zu haben.

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