https://www.faz.net/-gpf-2rio

Staatsbesuch : Kim und Putin kritisieren Bushs Raketenpläne

  • Aktualisiert am

Im Gespräch Bild: AP

Bei seinem Staatsbesuch unterhielt sich der nordkoreanische Staatschef mit Wladimir Putin über Raketen, Eisenbahnen und wirtschaftliche Unterstützung.

          2 Min.

          Angereist war der nordkoreanische Staaschef Kim Jong Il mit der transsibirischen Eisenbahn. Und um dieses Verkehrsmittel ging es unter anderem bei seinen Gesprächen mit Russlands Präsident Wladimir Putin. Vor allem aber um Raketen - und um das Raketenabwehrsystem der Amerikaner. Das Resultat des Staatsbesuches ist eine „Moskauer Erklärung“.

          Darin bekräftigten Kim und Putin die Gültigkeit des ABM-Vertrags. Das Abkommen zur Begrenzung von Raketenabwehrsystemen aus dem Jahr 1972 sei der „Eckstein der strategischen Stabilität und die Grundlage für den weiteren Abbau strategischer offensiver Waffen“. „Jedes Land hat das Recht auf die gleiche Sicherheit“, kommentierten Putin und Kim das Raketenabwehrprogramm der USA. Die USA betrachten den ABM-Vertrag, der den Aufbau nationaler Raketenabwehrsysteme untersagt, als überholt und können ihn mit einer sechsmonatigen Vorwarnfrist einseitig kündigen.

          Der Raketenschutzschild soll Amerika vor Angriffen sogenannter Problemstaaten wie Iran, Irak und eben Nordkorea schützen. In der „Moskauer Erklärung“ sagte Kim dazu, dass nordkoreanische Raketen keine Gefahr für Länder, die die nordkoreanische Souveränität respektierten, seien. Er bestätigte auch erneut einen Raketenteststopp bis 2003, den Nordkorea 1999 mit der damaligen US-Regierung unter Bill Clinton vereinbart hatte. Im Jahr zuvor hatte Nordkorea internationale Besorgnis ausgelöst, als es eine Testrakete über Japan hinweg in den Pazifischen Ozean fliegen ließ.

          Neue Weltordnung

          Im Rahmen einer „neuen, gerechten Weltordnung“ forderten Russland und Nordkorea auch den Abzug der US-Truppen aus Südkorea. Dies sei für den Erhalt von Frieden und Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel notwendig, heißt es in dem Papier. Russland plädierte für die Fortsetzung des innerkoreanischen Dialogs. Moskau sei bereit, bei Vierer-Friedensgesprächen zwischen Nord- und Südkorea, China und den USA eine „konstruktive und verantwortungsvolle Rolle“ als Vermittler zu übernehmen, hieß es.

          Dazu gehört auch wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit. Russland wolle beim Wiederaufbau nordkoreanischer Unternehmen helfen, die zu Sowjetzeiten gegründet und nach dem Zerfall der UdSSR vernachlässigt wurden. Dies könne auch den Energiesektor und damit die Atomenergie betreffen, hieß es. Russland setzt sich zudem für eine Zugverbindung zwischen den beiden koreanischen Staaten ein, die mit der Transsibirischen Eisenbahn verbunden werden und bis nach Moskau führen solle. Details der militärischen Zusammenarbeit zwischen Moskau und Pjöngjang sollten nachträglich auf Expertenebene geklärt werden, sagte Putins Berater Sergej Prichodko.

          Besuch am Grab Lenins

          Am Morgen legte Kim als erster ausländischer Staatschef seit dem Zerfall der Sowjetunion einen Kranz am Lenin-Mausoleum nieder. Dafür marschierte eigens die 1993 abgeschaffte Ehrengarde am Roten Platz wieder auf. Kims Besuch in Moskau war erst seine dritte offizielle Auslandsreise als Staatschef. Der international weitgehend isolierte Machthaber war am Freitagabend nach neuntägiger Fahrt in Moskau angekommen. Am Sonntag wollte Kim das russische Raumfahrt-Kontrollzentrum und die Luftfahrtzentrale Chrunitschew vor Moskau besuchen und anschließend mit dem Zug nach Sankt Petersburg weiterreisen. Am Mittwochabend will er die Rückreise nach Pjöngjang antreten. Kim lud Putin zu einem Gegenbesuch in Pjöngjang ein. Putin hat laut Protokoll angenommen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Johnson und der Brexit : Drei Briefe und ein einziges Ziel

          Boris Johnson will weiter versuchen, das Brexit-Abkommen bis Ende des Monats zu ratifizieren. Schon am Montag könnte die Regierung in London eine neue Abstimmung über den Brexit-Vertrag ansetzen – wenn John Bercow das zulässt.
          Kurdisches Fahnenmeer: Demonstranten am Samstag in Köln

          Türken-Kurden-Konflikt : Kurz vor der Explosion

          Der Krieg in Nordsyrien führt auch in Deutschland zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen türkischen und kurdischen Migranten. Das könnte erst der Anfang sein.
          Mit Arte in Oslo: Carola Rackete.

          Carola Rackete bei Arte : Ein ganz persönlicher Kulturschock

          In der Arte-Reihe „Durch die Nacht mit ...“ treffen die Aktivistin Carola Rackete und die norwegische Schriftstellerin Maja Lunde aufeinander. Man meint, sie hätten einander viel zu sagen. Es kommt anders.
          Regula Rytz, Präsidentin der Grünen Partei, wirft ihren Wahlzettel in eine Wahlurne.

          SVP bleibt stärkste Kraft : Grüne legen bei Schweizer Parlamentswahl deutlich zu

          Bei der Parlamentswahl in der Schweiz gab es Verschiebungen: Die rechtskonservative SVP bleibt zwar stärkste Kraft, konnte aber nicht mehr so gut punkten. Den größten Zuwachs verzeichnen die Grünen – in die Landesregierung schaffen sie es jedoch nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.