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Kampf gegen Kinderpornographie : Netz der Dunkelheit

Sichergestellte CDs mit kinderpornographischem Inhalt Bild: action press

Der Staat droht den Kampf gegen die Kinderpornographie zu verlieren – das zeigt der beinahe aussichtslose Einsatz der Ermittler. Der Gesetzgeber könnte schnell etwas dagegen unternehmen. Tut er aber nicht.

          9 Min.

          Die Kasernen am Südrand von Eberswalde wurden einst von den Nazis erbaut. Bis zur Wende wohnten hier sowjetische Streitkräfte. Dann strich man die Mauern weiß und machte daraus ein Behördenzentrum. In Gebäudeteil 3 bis 8 ist das Landeskriminalamt Brandenburg untergebracht. Im dritten Stock sitzt Hauptkommissar Rainer Plath. Er durchforstet tagein tagaus Festplatten, Mobiltelefone und Tablets. Auf der Suche nach Bildern, deren Anblick weh tut: Kleine Mädchen mit gespreizten Beinen, Babys auf nackten Männerschößen, gefesselte Kleinkinder.

          Helene Bubrowski

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          In Plaths Büro hängt der Elektrosmog in der Luft, man mag kaum einatmen. Vierundzwanzig Stunden am Tag, sieben Tage die Woche laufen die Computer auf Hochtouren. Sie kopieren, entschlüsseln und stellen gelöschte Dateien wieder her, suchen nach bekannten Abbildungen. Den qualvollsten Teil der Arbeit müssen aber Menschen machen.

          In Eberswalde gibt es kein Programm, das zuverlässig nackte Haut auf Bildern erkennen kann. Danach müssen die Beamten selbst suchen. „Das kann einem schon nahe gehen“, sagt Plath, „vor allem wenn man selbst Kinder hat.“ Auf seinem Bildschirm werden fünfzig Bilder auf einmal angezeigt. Er guckt sie an, dann scrollt er nach unten zu den nächsten fünfzig Bildern. Auch die gelöschten Fotos muss er ansehen. Wenn er abends nach Hause geht, hat sich der Balken am rechten Rand des Bildschirms gerade mal um einen Zentimeter nach unten bewegt. Eine Millionen Bilder je Datenträger sind eine übliche Menge. Neulich brachten Polizeikollegen auch eine Festplatte mit 17 Millionen Fotos.

          Doppelt so viele sichergestellte Daten wie vor fünf Jahren

          Auf dem Boden stapeln sich alte Rechner mit vergilbten Oberflächen. Pädophile werfen ihre Datenträger nicht weg, sondern heben alles auf – für schlechte Zeiten. So landen auch Disketten aus den neunziger Jahren in Plaths Büro in Eberswalde. Der Staatsanwaltschaft meldet Plath alles, was ihm merkwürdig vorkommt. Und da gibt es viel: Ein Fünfjähriger in Windeln, der als Avatar in virtuellen Welten ausgepeitscht wird, Kinderkörper mit Köpfen erwachsener Frauen, aber auch Bilder von nackten Kindern, die am Strand herumtollen. Es ist schwer, die Grenze zwischen strafbar und moralisch verwerflich zu ziehen.

          Der Begriff Kinderpornographie – die Ermittler benutzen die Abkürzung Kipo – klingt fast harmlos. Er bedeutet aber: Für jedes Bild wurde ein Kind missbraucht. Plath und seine Kollegen arbeiten rund um die Uhr, weil sie den Kampf gegen zerstörte Kindheiten nicht verloren geben wollen. Es gibt in Deutschland schätzungsweise 250.000 Männer mit pädophiler Neigung. Bei Frauen kommt das fast gar nicht vor. 85 Prozent der Männer, also gut 210.000, benutzen regelmäßig Kinderpornos. Die Behörden haben im vergangenen Jahr gerade einmal 9000 Fälle von Kinderpornographie verfolgt, das ist eine Quote von 4,2 Prozent. Der Rest liegt im Dunkeln.

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