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Geschlechter im Grundgesetz : Der Staat vor der Zukunftsaufgabe Gleichberechtigung

  • -Aktualisiert am

Laut Grundgesetz darf der Staat auf die Auflösung aller Geschlechterrollen hinarbeiten. Bild: Greser & Lenz

Das Grundgesetz verlangt, auch faktische Benachteiligungen so weit wie möglich zu beseitigen und Geschlechterrollen aufzulösen. Doch ist dafür ein Paritätsgesetz notwendig?

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          Wir leben in einer Rechts- und Gesellschaftsordnung, die man zwar sicherlich nicht mehr als patriarchalisch bezeichnen kann, in der aber Frauen immer noch in vielen Bereichen unterrepräsentiert und benachteiligt sind. Das Grundgesetz hat dafür gesorgt, dass immer mehr rechtliche Diskriminierungen abgebaut worden sind – das ist die Erfolgsgeschichte. Es bleibt die Zukunftsaufgabe, darüber hinaus auch faktische Benachteiligungen so weit wie möglich zu beseitigen. Auch das ist ein verfassungsrechtliches Gebot.

          Man muss sich das seit 1949 geltende Ehe- und Familienrecht vergegenwärtigen, um zu erkennen, dass in den letzten 70 Jahren schon ein weiter Weg zurückgelegt worden ist. Dieses Recht war nämlich bestimmt von einem patriarchalischen Ehe- und Familienverständnis, das sich im Wesentlichen auf das BGB von 1896 stützte. Im Eherecht bedeutete das Folgendes: Der Mann bestimmte als Oberhaupt der Familie Art und Umfang des Lebensaufwandes, die Erziehung der Kinder, den Wohnort und die Wohnung; der Mann hatte die Herrschaftsbefugnis über das Frauenvermögen, er konnte den Arbeitsplatz der Frau kündigen, sofern die „ehelichen Interessen beeinträchtigt“ waren. Der Mann hatte das Letztentscheidungsrecht, die Frau die „Folge- oder Gehorsamspflicht“; nur über ihre persönlichen Angelegenheiten durfte sie selbst bestimmen.

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