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„Unter dem Befehl und der Kontrolle“ : Die Haager Anklage gegen Ratko Mladic

Amerikanische Fahndungsplakate in Sarajevo 2002 zeigen Ratko Mladic und Radovan Karadzic Bild: dpa

Schon 1995 wurde Ratko Mladic vom UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien angeklagt, 2002 eine überarbeitete Anklageschrift vorgelegt. Eine Zusammenfassung.

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          Ratko Mladic wurde schon 1995 vom UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien angeklagt. Am 10. Oktober 2002 legte Carla Del Ponte, die Chefanklägerin des Tribunals, eine überarbeitete Anklageschrift vor. Darin ist Mladic wegen Völkermords, Beihilfe zum Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verstößen gegen die Gesetze und Gebräuche des Krieges angeklagt.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Über den Beginn des Krieges heißt es in der Anklageschrift: „Kurz nachdem Bosnien-Hercegovina am 6. April 1992 international als ein unabhängiger Staat anerkannt wurde, brachen in Sarajevo Feindseligkeiten aus. Sogar vor Beginn des Konfliktes besetzten Streitkräfte strategische Positionen in und um Sarajevo. Von diesen Positionen aus wurde die Stadt später einer Belagerung, Bombardierung und den Angriffen von Scharfschützen ausgesetzt. Ab Mai 1992 benutzten serbische Truppen unter dem Befehl und der Kontrolle von Ratko Mladic Granatbeschuss und Scharfschützen, um öffentliche Plätze der Stadt, ihre Zivilbevölkerung und Institutionen zu treffen, wobei sie Zivilisten töteten und verwundeten und großen Schrecken unter den Einwohnern schürten“.

          Die Anklage erinnert auch an den anderen „großen“ Angeklagten des Krieges in Bosnien, den Serbenführer Radovan Karadzic, der am 12. Mai 1992 seine „sechs strategischen Ziele“ für die Kämpfe verkündet hatte. Eines davon war die Schaffung eines „ethnisch gesäuberten“, also rein serbischen Korridors im Tal der Drina, damit der Fluss nicht länger eine Grenze zwischen zwei serbischen Staaten sei. Es war Mladic, der mit seinen Truppen diese blutige und durch das Friedensabkommen von Dayton 1995 letztlich international akzeptierte Strategie der Schaffung ethnisch reiner Gebiete umsetzte. Dazu heißt es in der Haager Anklageschrift: „Ab Mai 1992 übernahmen bosnisch-serbische Truppen unter dem Befehl und der Kontrolle von General Ratko Mladic Kontrolle über Gemeinden in der Serbischen Republik von Bosnien-Hercegovina, in erster Linie in der als bosnische Krajina bekannten nordwestlichen Region Bosniens und im östlichen Bosnien.

          In diesen Gemeinden beteiligten sich die Truppen der bosnischen Serben an einem Verfolgungsfeldzug zur Vertreibung der nichtserbischen Bevölkerungsteile dieser Territorien“. Diese Formulierung weist darauf hin, dass es nicht die Armee Mladics allein war, die für die Verbrechen verantwortlich war. Den blutigsten Teil der Arbeit erledigten für gewöhnlich Freischärlertruppen wie etwa die „Tiger“ des später seinerseits ermordeten Berufskriminellen Arkan Ranjatovic -- nachdem ihnen Mladics Truppen die Städte vorher sturmreif geschossen hatten. Was dann folgte, schildert die Anklageschrift so: „Tausende Nichtserben wurden deportiert ... Viele Nichtserben wurden getötet, viele andere in Gefangenenlagern festgehalten, wo sie physisch und psychisch misshandelt wurden ... Zusätzlich wurden nichtserbische Häuser, Geschäfte, religiöse Stätten ... geplündert, zerstört und/oder enteignet.“

          Vorgebracht wird zudem die Geiselnahme von mehr als 200 UN-Militärbeobachtern zwischen Mai und Juni 1995, die als menschliche Schutzschilde gegen Nato-Bombardierungen serbischer Einrichtungen eingesetzt wurden. Zum größten Mladic angelasteten Verbrechen, dem Massaker von Srebrenica 1995, heißt es, schon 1993 hätten die bosnisch-serbischen Truppen begonnen, besondere Aufmerksamkeit für die Einnahme der strategisch gelegenen Srebrenica-Enklave zu hegen, in die sich 1992/1993 viele vor den „ethnischen Säuberungen“ anderer Gebiete geflüchtete Muslime gerettet hatten. Am 8. März 1995 erteilte Karadzic den Befehl zur „Eliminierung“ der Muslimenklaven Srebrenica und epa. Vier Monate später wurde der Befehl ausgeführt: „Am 2. Juli 1995 griffen bosnisch-serbische Truppen unter dem Befehl und der Kontrolle von General Ratko Mladic die Enklave Srebrenica an“. Am 11. Juli nahmen die Truppen den Ort ein, in den Tagen danach wurden beim größten Massaker des Krieges fast 8000 muslimische Männer und Jungen getötet.

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