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Kazim Görgülü : Der leibliche Vater

In guten wie in schlechten Zeiten - das funktioniert nicht immer zwischen Paaren Bild: dpa

Im August vorigen Jahres verwarf das Bundesverfassungsgericht die bisherige Regelung, die ein gemeinsames Sorgerecht generell von der Zustimmung der Mutter abhängig machte. Das, so Karlsruhe, verstoße gegen das Elternrecht des Vaters. Fest steht: Das Sorgerecht muss reformiert werden.

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          Die Bundesjustizministerin, der FDP zugehörig, strebt an, dass getrennt lebende, nicht verheiratete Eltern automatisch ein gemeinsames Sorgerecht für ihr Kind bekommen, es sei denn, die Mutter beantragt es ausdrücklich für sich allein. Dagegen fordert die Union, dass der Vater, sollten sich die Eltern nicht einigen, die gemeinsame Sorge beantragen kann, wenn diese dem Kindeswohl nicht widerspricht. In jedem Fall muss das Sorgerecht reformiert werden - im August vorigen Jahres verwarf das Bundesverfassungsgericht die bisherige Regelung, die ein gemeinsames Sorgerecht generell von der Zustimmung der Mutter abhängig machte. Das, so Karlsruhe, verstoße gegen das Elternrecht des Vaters.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Es war eine Entscheidung ganz im Sinne von Kazim Görgülü, jenes Pioniers im Kampf für mehr Väterrechte, der seinen Nachnamen einem Konvolut von Verfahren lieh, die nicht nur das Familienrecht, sondern auch das Strafrecht und das öffentliche Recht berühren. Denn Görgülü, ein 1969 in der Türkei geborener Kurde, stritt acht Jahre lang vor Gerichten in Sachsen-Anhalt, Karlsruhe und Straßburg um seinen Sohn, ehe ihm im Oktober 2008 die Sorge zugesprochen wurde; man hat seinen Kampf immer wieder mit den Mühen des Odysseus verglichen. Diese Volte lässt sich auch Karen Klein in ihrer 2010 im Röhring Universitätsverlag erschienenen, 584 Seiten starken Dissertation über den „Fall Görgülü“ nicht entgehen: Dieses „odysseehafte Streben nach einem vorgefassten Ziel“ übe, so die Autorin, „eine gewisse Faszination auf Außenstehende“ aus.

          In der Tat. Unter ihrerseits odysseemäßigen Überschriften (“Von Wittenberg nach Straßburg“, „Von Straßburg nach Karlsruhe“, „Von Karlsruhe nach Wittenberg“) sowie in einem hilfreichen Register von insgesamt 82 in den Jahren 2000 bis 2008 in dem Fall ergangenen Entscheidungen schildert die Autorin, wie Görgülü - unter wachsendem Interesse der Öffentlichkeit - um seinen im August 1999 geborenen Sohn stritt. Mit der Mutter des Kindes war Görgülü eine Ehe nach islamischem Ritus eingegangen - die indes nach deutschem Recht mangels staatlicher Mitwirkung als „Nichtehe“ gilt. Der Junge wurde gleich nach seiner Geburt von seiner Mutter, die Görgülü auch nicht als Vater angab, zur Adoption freigegeben und bei Pflegeeltern untergebracht, einem Lehrer-Ehepaar aus dem Landkreis Wittenberg. Görgülüs Weg führte von der Vaterschaftsfeststellung beim Amtsgericht Wittenberg über Umgangs- und Sorgerechtsverfahren, wobei das Oberlandesgericht Naumburg immer wieder Entscheidungen zugunsten des Vaters aufhob. Dessen 14. Zivilsenat weigerte sich auch, Interventionen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (der seither etwa im „Fall Zaunegger“ im Dezember 2009 sowie im „Fall Anayo“ im vergangenen Dezember für nichteheliche Väter urteilte) zu berücksichtigen, was seinerseits das Bundesverfassungsgericht beanstandete.

          Die Naumburger Richter wurden gar wegen Rechtsbeugung angeklagt, das Verfahren scheiterte aber, weil sie sich auf ihr Schweigerecht und das Beratungsgeheimnis beriefen - und es ihre Kollegen mangels Beweisen ablehnten, das Verfahren zu eröffnen. Seit Februar 2008 lebt der Junge bei seinem Vater, fühlt sich dort - nach Feststellung des Amtsgericht Wittenberg vom August 2008 - „wohl“.

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