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Heribert Hirte : Der Nebenberufspolitiker

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Bild: Andreas Stoll

Von Juristen wimmelt es bekanntlich im Bundestag - Rechtswissenschaftler hingegen sind dort eine rare Spezies.

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          Von Juristen wimmelt es bekanntlich im Bundestag - Rechtswissenschaftler hingegen sind dort eine rare Spezies. Ein veritabler Ordinarius schickt sich nun an, das Parlament zu erobern: Heribert Hirte, der an der Universität Hamburg Bürgerliches Recht, Handels- und Gesellschaftsrecht lehrt. Für die CDU bewirbt er sich im kommenden September für den Kölner Wahlkreis II, der den Süden und Westen der Domstadt umfasst. Dort hat Hirte seit je seinen Lebensmittelpunkt. Ein keineswegs aussichtsloses Unterfangen: Sein Vorgänger, der nicht wieder antritt, hatte das Mandat ebenfalls für die Christdemokraten geholt - nur knapp allerdings. Dass der 54 Jahre alte Hochschullehrer damit aus dem akademischen Elfenbeinturm ausbräche, kann man Hirte freilich nicht unterstellen. Denn aktives Parteimitglied ist er schon seit seiner Schülerzeit; auch dem Vorstand des Bundesarbeitskreises Christlich-Demokratischer Juristen (BACDJ) gehört der ehemalige Jungunionist an. Und der Rechtsausschuss des Bundestags hat Hirte wiederholt als Sachverständigen angehört, etwa bei der jüngsten Reform des Insolvenzrechts oder bei der Einführung der „Mini-GmbH“, die offiziell „Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)“ heißt. Trotzdem will sich der mit einer Hörfunkjournalistin verheiratete zweifache Vater eher als Wirtschafts- und Finanzpolitiker definieren: Zu gut weiß er, dass die Parteibasis sich leichter für Themen wie Staatsverschuldung und Managervergütung erwärmen lässt als für alles, was unter dem Rubrum Rechtspolitik läuft. Da zerpflückt Hirte lieber die Thesen des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück zur „Bändigung der Finanzmärkte“ und fordert stattdessen ein Insolvenzrecht für Staaten. Steinbrück nutze seinen Forderungskatalog geschickt als Vorwand für Steuererhöhungen und staatliches Schuldenmachen, wettert Hirte. Auf das deutsche Spielfeld ist auch Hirte, der seinen Master-Titel (LL.M.) einst im kalifornischen Berkeley erworben hat, keineswegs beschränkt. So ist er auch stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Amerikanischen Juristenvereinigung (DAJV). Zur Wissenschaftspolitik vertritt Hirte naturgemäß ebenfalls dezidierte Absichten; so geißelt er das „Bologna-Modell“ als „Trivialisierung der deutschen Universitätsausbildung auf dem kleinsten gemeinsamen europäischen Nenner“. Dinge zu gestalten, die er bisher nur beschrieben hat, bezeichnet der Forscher als sein Motiv dafür, das bisherige Hobby zum Hauptberuf zu machen. Dabei wünscht er sich mehr Sachlichkeit in der Politik: Die Auseinandersetzungen seien - nicht zuletzt durch die Auswirkungen des Internets - zunehmend von Kurzatmigkeit geprägt. Deshalb will der Lehrstuhlinhaber der „Banalisierung von Zusammenhängen“ entgegenwirken: „Viele Fragen lassen sich nicht auf simple Ja-Nein-Alternativen reduzieren.“ Wenn er im neuen Jahr in den Wahlkampf zieht, wird er an den Stammtischen und Infoständen reichlich Gelegenheit bekommen, sich an dieser Aufgabe zu versuchen. Ganz vorne stehen aber die Interessen Kölns auf seiner Agenda. Viele Probleme der Kommunen, so wirbt der Direktkandidat, hätten schließlich auch eine bundespolitische Dimension.

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