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Hamida Barmaki : Familienmord in Kabul

Bild: MPIL

Hamadi Barmaki vom Heidelberger Max-Planck-Institut wurde mit Ihrer Familie durch einen Anschlag in Kabul ermordet.

          Über die afghanischen Opfer in Afghanistan erfährt man in der Regel wenig, allenfalls ihre Zahl. Am 28. Januar ist durch einen Anschlag auf einen Supermarkt in Kabul eine ganze Familie ausgelöscht worden. Die Professorin Hamida Barmaki wurde mit ihrem Ehemann sowie den drei Töchtern und dem Sohn (geboren in den Jahren 1997, 1998, 2000 und 2007) ermordet. Acht weitere Menschen kamen um. Frau Barmaki war Repräsentantin des Heidelberger Max-Planck-Instituts für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in der afghanischen Hauptstadt.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

          Seit März 2008 war die Juristin für das Institut tätig und half gemeinsam mit einem deutsch-afghanischen Team dabei, rechtliche Strukturen am Hindukusch aufzubauen und insbesondere den Obersten Gerichtshof zu stärken. 2009 gründete sie die Menschenrechtsorganisation „Khorasan Legal Service Organization“. Diese will das Bewusstsein der Bürger für ihre Rechte schärfen und insbesondere Frauen und Randgruppen in der Gesellschaft unentgeltlichen rechtlichen Beistand anbieten. Seit gut einem Jahr war Hamida Barmaki in der Menschenrechtskommission des Landes für Kinderrechte zuständig. Angesichts vermehrter Fälle von Kindesmisshandlungen organisierte sie ein Seminar zu diesem Thema, zu dem Teilnehmer aus mehreren Provinzen des Landes anreisten. Vor Kritik an der Regierung scheute sie nicht zurück.

          An der Kabuler Universität lehrte Frau Barmaki Privatrecht; schon kurz nach dem Sturz der Taliban engagierte sie sich im Frauenrat der Hochschule. Die zum Teil in Italien ausgebildete Akademikerin, die schon Abgeordnete in der Jirga war, hatte die Absicht, in Heidelberg weiterzuforschen. Das dortige Institut will ein größeres Werk zum Schuldrecht nun postum herausbringen. Frau Barmaki war ferner beteiligt am Aufbau eines Master-of Laws-Programms an ihrer Universität in Kabul. Dort wird nun eine „Hamida Barmaki Library of Comparative and International Law“ eingerichtet.

          Das Afghanistan-Projekt des Instituts wurde zum Teil vom Auswärtigen Amt, von der EU sowie vom deutschen Akademischen Austauschdienst finanziert. In mehreren internationalen Konferenzen sind etwa die afghanische Verfassung und die Sharia behandelt worden. Afghanische Richter und Staatsanwälte werden ausgebildet.

          Hamida Barmaki, 1970 in Kabul geboren, gehörte zu den ersten Frauen, die nach ihrem Studium der Rechte für den Justizdienst in Afghanistan zugelassen wurden. Schon 1993 veröffentlichte sie einen Aufsatz zur „Rolle der Frau beim sozialen Wiederaufbau Afghanistans“. Auch ihre weiteren Publikationen haben einen Schwerpunkt: „Politische Frauenrechte im Islam“, „Gewalt gegen Frauen“, „Polygamie“, aber auch: „Friedliche Ansätze zur Konfliktlösung“. Frau Barmaki, von 1985 bis 1987 Moderatorin bei Radio Television Afghanistan, war 2009 als afghanische Frauenministerin im Gespräch. Auch ihr Ehemann, ein promovierter Mediziner, war in der Regierung tätig. Zur Beerdigung der sechsköpfigen Familie kamen mehr als 2000 Menschen.

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