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Nürburgring-Prozess : Suche nach dem verlorenen Milliardär

  • -Aktualisiert am

Der Nürburgring sorgte für einige Verwerfungen in der Landespolitik. Bild: dapd

Anfang 2015 begann in Mainz der Prozess gegen einen Schweizer Finanzvermittler, der einst versprochen hatte, den Nürburgring mit einem ominösen Geldgeber zu retten. Doch das Verfahren stockt von Anfang an.

          Was ist eigentlich aus dem Nürburgring-Prozess gegen den Schweizer Finanzvermittler Urs Barandun geworden? Man weiß: Der Prozess wurde im Februar 2015 unterbrochen und ist seither nicht wiederaufgenommen worden.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Klar ist auch: Das Verfahren, in dem es um den Vorwurf der Urkundenfälschung geht, stand von Anfang an unter keinem allzu guten Stern. Die Verhandlung hätte am 13. Januar 2015 beginnen sollen. Doch der Angeklagte kam nicht. Seine Begründung: Er halte sich in Mauritius auf, sei krank und dürfe deshalb nicht fliegen.

          Die so hervorgerufene Neugier auf seine Person sollte sich im Prozess, der dann zwei Wochen später begann, noch steigern. So erzählte Barandun etwa, dass er - neben ein bisschen Arabisch - sechs Sprachen spreche, einst Tourismus-Direktor des Skigebiets Flims-Laax gewesen sei sowie ein Unternehmen mit Sitz in Dubai geführt habe.

          Barandun präsentierte einen Geldgeber nach dem anderen

          Dieses habe „Turnarounds und Start-ups“ begleitet sowie „Management auf Zeit“ betrieben. Die Firma gebe es allerdings nicht mehr, überhaupt gehe es ihm heute finanziell nicht mehr so gut wie früher, da sein Name im Zuge der Nürburgring-Affäre in Verruf geraten sei.

          Mit dem grotesk gescheiterten Projekt „Nürburgring 2009“ war der Mittfünfziger Barandun 2008 in Kontakt gekommen. Damals war bereits erkennbar, dass die von der SPD-Landesregierung geplante Privatfinanzierung eines Erlebnisparks in der Eifel zu platzen drohte. Da präsentierte Barandun zunächst etwa fünf angebliche Investoren, einer davon eine Erdölfirma mit Sitz in Guatemala, die mit einer einzigen Ölplattform im Golf von Mexiko angeblich einen Jahresumsatz von 63 Milliarden Dollar generierte - mehr als alle Plattformen in der Region zusammen.

          Als das nichts wurde, zauberte er als Geldgeber den angeblichen amerikanischen Geschäftsmann Pierre S. Dupont aus dem Hut, der vom damaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) als „ganz großer Milliardärsadel“ annonciert wurde.

          Schecks nicht gedeckt

          Tatsächlich stellte Barandun auch zwei Schecks über insgesamt hundert Millionen Dollar auf ein Konto von Duponts angeblicher Firma „Miracle Asset Management“ - zu Deutsch: Wundervermögensverwaltung - aus. Allein: Die Schecks waren nicht gedeckt.

          Die Staatsanwaltschaft bezweifelte im Prozess, dass es diesen Herrn Dupont je gegeben hat. Barandun, der vor Gericht freundlich und durchaus charmant auftrat, beharrte darauf. Er wies außerdem darauf hin, dass er als Geschäftsmann kein Interesse an ungedeckten Schecks haben könne, schließlich hätte er die vereinbarte Provision von drei Prozent nur dann erhalten, wenn tatsächlich Geld geflossen wäre.

          Der Vorsitzende Richter kam zu dem Schluss: Ohne Dupont vernommen zu haben - oder wenigstens einen, der ihn kennt -, würde man nicht weiterkommen. Ein Rechtshilfeersuchen an die Vereinigten Staaten sei notwendig, damit die dortigen Behörden die Befragung übernehmen, daher wurde der Prozess ausgesetzt. Das war vor eineinhalb Jahren. Was ist seither passiert? Ist seither etwas passiert?

          Fortsetzung des Prozesses frühestens in einem Jahr

          Im Juni 2015, vier Monate nach der Unterbrechung des Prozesses, versandte das Landgericht Mainz einen Fragenkatalog an den Berliner Anwalt des Angeklagten. Die Fragen sollten die Grundlage bilden für eine Zeugenvernehmung eines gewissen W., der Geschäftspartner von Dupont gewesen sein soll. Der Anwalt wurde darum gebeten, den Fragenkatalog gegebenenfalls um Fragen zu ergänzen, die er und sein Mandant für wichtig befinden.

          Der Anwalt schrieb dem Landgericht einen Monat später zurück. Erst ein knappes Jahr später kam wieder Post vom Landgericht - ein überarbeiteter Fragenkatalog, erweitert um die Fragen Baranduns. Im Juni 2016 war das. Zwei Wochen später gab Baranduns Anwalt sein Okay.

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