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Zeitgemäßes Sorgerecht : Nach der Trennung gibt es den „modernen Vater“ nicht mehr

Eltern in Deutschland so etwas vorzuschreiben scheint undenkbar. Väter-Verbände setzen sich aber dafür ein, dass das Wechselmodell im Unterhalts- und Sorgerecht zumindest eine Variante von mehreren wird. Aktuell zwinge der Schutz der Familie den Gesetzgeber nicht, „eine paritätische Betreuung als Regelfall vorzusehen“, entschied das Bundesverfassungsgericht im Juni vergangenen Jahres. Noch stehen dem Wechselmodell ganz praktische Hindernisse entgegen: So hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass Kinder nur einen Hauptwohnsitz haben dürfen. Im Wechselmodell hätten sie zwei. „Die Kinder erleben einen Elternteil dann nicht nur primär für den Alltag und den Besuchselternteil nur für Freizeit und Abenteuer“, sagt Rainald Suchan, der in dem Verein „Manndat“ aktiv ist, der sich für Väterrechte und auch für das Wechselmodell einsetzt.

Justizministerium hält sich bedeckt

Die Vorgaben in Deutschland sind noch ziemlich starr. Nur wenn die Betreuung der Kinder nahezu zu gleichen Teilen bei Mutter und Vater liegt, gilt das Wechselmodell, hat der Bundesgerichtshof entschieden. Gegner des Modells sagen, die Kinder kämen kaum zur Ruhe, hätten nirgends ein festes Zuhause. Gewechselt werde hier wie da, entgegnet dem Hildegund Sünderhauf. Sie ist Professorin für Familienrecht in Nürnberg und hat die weltweit wichtigsten Studien zusammengestellt. Die überwiegende Mehrheit der meist amerikanischen Untersuchungen komme zu dem Ergebnis, dass sich das Wechselmodell positiv auswirke – für alle Beteiligten. Die Kinder seien zufriedener und würden ein engeres Verhältnis zum Vater entwickeln. Sie seien besser in der Schule und seltener Mobbingopfer. Auch die Eltern fühlten sich besser – vorausgesetzt, sie führen keinen Rosenkrieg gegeneinander.

„Die Fakten liegen nun alle auf dem Tisch, jetzt muss es eine politische Entscheidung geben“, fasst Josef Linsler die Diskussion um das Wechselmodell zusammen. Linsler arbeitet für den „Interessenverband Unterhalt und Familienrecht“ und setzt sich seit vielen Jahren für eine Gesetzesreform ein. Bislang am meisten Unterstützung gab es von der FDP. Einige Landesverbände haben sich für das Wechselmodell ausgesprochen. Jedoch gehört die FDP nicht der Bundesregierung an, sie ist nicht einmal im Bundestag vertreten. Die SPD schon. Das sozialdemokratisch geführte Justizministerium, das federführend in der Sache wäre, hält sich indes bedeckt. Eine Reform des Unterhaltsrechts steht im Moment nicht auf der Agenda.

Das – ebenfalls von der SPD geführte – Bundesfamilienministerium hat nun eine Studie in Auftrag gegeben, die das Kindeswohl bei unterschiedlichen Formen des Umgangsrechts untersuchen soll. Christine Lambrecht, Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion, äußerte sich skeptisch. Es müssten beim Wechselmodell ständig Absprachen gemacht werden, außerdem wollten die Kinder oft einen Wohnschwerpunkt. Tatsächlich eignet sich das Wechselmodell vor allem für Mittelklassefamilien, die in der Großstadt wohnen und bei denen die Kinder noch relativ klein sind. Für Markus Rinne, dessen Kinder schon etwas älter sind, wäre das Wechselmodell trotzdem die beste Variante, ist er sich sicher. „Wenn sich das Paar trennt, sollten sich nicht die Eltern trennen.“

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