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Bachelor für Juristen? : Fürchtet euch nicht!

  • -Aktualisiert am

Ein Absolvent in Talare gekleidet. 10.07.2010, Bonn. Bild: dpa

Fürchtet euch nicht! Die Kritik am Bachelor im Jurastudium offenbart einen Reformunwillen in der deutschen Rechtswissenschaft

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          Unlängst wurde an dieser Stelle Position gegen Pläne bezogen, Jurastudierenden auf dem Weg zum Staatsexamen auch den Er­werb eines integrierten Bachelor of Laws anzubieten (Tiziana Chiusi, „Ein Jodeldiplom?“, F.A.Z. Staat und Recht vom 30. Juni 2022). Eine vermeintlich technische, auf den ersten Blick nur Fachkreise be­rührende Frage. Dennoch schlug der Beitrag hohe Wellen – in Jurablogs, sozialen Medien und nicht zuletzt den Fluren von Universitäten, Kanzleien und Justiz. Angesichts des im Artikel angeschlagenen, von vielen als sehr harsch empfundenen Tons verwunderte die breit geäußerte Stilkritik nicht. Überraschend war indessen, dass die inhaltliche Verteidigung des Reformansatzes maßgeblich durch Juristen erfolgte, die selbst beide Staatsexamina abgelegt haben und daher nicht in Verdacht stehen, auf ei­nen weiteren Abschluss angewiesen zu sein. Die aktuelle Resonanz beweist, dass die Diskussion um den integrierten Bachelor nicht allein eine Studienreform betrifft, sondern zugleich eine antiquierte Geisteshaltung offenlegt, die zunehmend auch un­ter Volljuristen für Irritationen sorgt.

          Aktuelle Juristenausbildung

          Worum geht es in der Sache? Die klassische deutsche Juristenausbildung fußt weitgehend auf einem zweistufigen System nach preußischem Vorbild und sieht neben dem universitären Studium – um das es hier geht – auch ein heute knapp zweijähriges staatliches Rechtsreferendariat vor. Am Ende beider Abschnitte stehen sogenannte Examensprüfungen, die sich unter anderem aus mehreren fünfstündigen Aufsichtsarbeiten sowie einer mündlichen Prüfung zusammensetzen. Nicht nur in Juristenkreisen ist bekannt, dass diese Art der Ausbildung mit enormem Arbeitsaufwand sowie mit teils ho­hen psychischen Belastungen verbunden ist, Versagens- und Zukunftsängste schwin­gen fast immer mit. Wer dies pauschal in Abrede stellt, verklärt entweder seine eigene Examenszeit oder hat ganz einfach nie eine deutsche Staatsprüfung abgelegt. Wenn junge Menschen nun aus den verschiedensten Gründen ihr Jurastudium unbeendet lassen (müssen), ha­ben sie bislang nicht selten nach vier, fünf oder bei längerem Studienverlauf gar sechs Jahren lediglich ihr Abitur in der Ta­sche. An dieser Stelle setzt der inte­grierte Bachelor of Laws an.

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