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Kirche und Krieg : Mit Gewalt für Recht und Frieden sorgen

  • -Aktualisiert am

Soldaten halten Sturmgewehre vom Typ G 36 von Heckler und Koch, 27.10.2020, Storkow. Bild: dpa

Ein Diskurs zur Sinnhaftigkeit von Gewalt und Waffen als Mittel für Recht und Frieden.

          5 Min.

          Als der Ukrainekrieg ausgebrochen war, reagierten der Friedensbeauftragte der EKD, der Magdeburger Bischof, und viele andere aus Kirche und Gesellschaft mit einem erwartbaren Reflex: Nein, Waffen solle man den sich verteidigenden Ukrainern nicht liefern, der Krieg müsse vielmehr schleunigst beendet werden. Dass Krieg nicht sein dürfe, war in dieser Situation Wirklichkeitsverweigerung, mehr noch: blanker Zynismus. Er war ja längst Realität und hätte nur um den Kreis der Kapitulation beendet werden können.

          Dagegen plädierten die politisch Verantwortlichen für das Recht der Selbstverteidigung der Ukraine und sagten, zö­gernd zunächst, die Lieferung von Waffen zu. Auch die katholische Deutsche Bi­schofskonferenz gab ein entsprechendes Votum ab. Der EKD, sonst nicht mundfaul bei Äußerungen zu Krieg und Frieden, verschlug es lange die Sprache. Die Vorsitzende des Rates sprach sich gegen die Bereitstellung von Waffen aus. Überkommene friedensethische Denkmuster der vergangenen Jahre, man kann sie auch kirchliche Illusionen nennen, verstellten den nüchternen Blick auf das brutale Gesicht der Wirklichkeit. Ein vom Zaun gebrochener Angriffskrieg hatte nicht zu den Szenarien kirchlicher Über­legungen zu Krieg und Frieden gehört. Die beiden Weltkriege haben, zumal in Deutschland, ein Trauma hinterlassen. Die alle verbindende Überzeugung in Po­litik und Kirche hieß „Nie wieder Krieg“. Als 1948 die Ökumenische Versammlung in Amsterdam erklärte, „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein“, gab es nur Zu­stimmung, keinen Widerspruch.

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