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Islam in Deutschland : Niemand kann zwei Herren dienen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Greser&Lenz

Islam und Grundgesetz stehe zueinander in schroffem Gegensatz. Was soll dann islamischer Religionsunterricht vermitteln? Wenn man sich hier nicht entscheidet, droht Chaos. Ein Gastbeitrag von Karl Doehring.

          In den Debatten um die Einrichtung islamischen Religionsunterrichts an Schulen und die Errichtung von Lehrstühlen für islamische Religion an den Universitäten kommt erstaunlicherweise ein Gedanke zu kurz, den zu beachten dringend geboten wäre. Es geht um die Frage, ob und inwieweit eine derartige Religionsvermittlung unter der Geltung unserer Verfassung stattfinden darf.

          Man kann Informationen über Religion verschieden gestalten. Religionsphilosophie, vergleichende Religionswissenschaft und rein darstellende Religionslehren können historisch, empirisch und dogmatisch mitgeteilt werden. Diese Art der Religionslehre bildet den Gegenstand von Forschung und Lehre in einer Art von Neutralität, gemessen an Wertungen der eigentlichen Glaubensinhalte, die mit reiner Ratio wohl nicht erfassbar sind. Von einer rein rationalen Religionsvermittlung sind solche zu unterscheiden, die werbend und empfehlend Glaubenssätze verkünden und so eine bestimmte Religion auch als Gegenstand von Verhaltensmaximen propagieren.

          Beide Arten der Religionsvermittlung sind zu trennen. Das gilt für alle Weltanschauungen. Man kann den Marxismus deskriptiv behandeln, seine Ursprünge historisch und auch in ihren praktischen Auswirkungen darstellen, man kann ihn aber auch als sozialen Glaubenssatz behandeln und irrational den Unterschied zwischen Reichtum und Armut als nicht weiter begründbare Gerechtigkeitsfrage ansehen. Das Gleiche gilt für den Nationalsozialismus, der über allen Verfassungsfragen doch die Rassenideologie als Generalnenner ansiedelte. Klassenkampf und Rassenkampf beherrschten als Postulate in der Art eines Überbaus das geltende Recht. Auch Mischformen können angeboten werden.

          Viele Vorschriften des Korans und der Scharia sind mit den Werten des Grundgesetzes nicht vereinbar.

          Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der „Treue zur Verfassung“

          Im Folgenden soll es nun um die Frage gehen, ob die religiöse und in diesem Sinne irrationale Glaubensvermittlung - der Gottesbeweis kann nicht angetreten werden - als Teil der Religionsvermittlung als Staatsveranstaltung unbegrenzt zulässig ist oder ob aus der Verfassung ihnen Grenzen gesetzt sind. Würde in einem „Weltanschauungsunterricht“ der Marxismus gelehrt und würde seine Lehre nicht nur deskriptiv geboten, sondern missionarisch, können Bedenken auftreten. Der Marxismuslehrer könnte veranlasst sein zu der Feststellung, dass dann, wenn eine Änderung der Gesellschaftsordnung mit parlamentarischen Mitteln nicht erreichbar sei, ein „gewaltsamer Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnungen“ gerechtfertigt sei. Eine solche Auffassung stünde mit dem Grundsatz nicht in Übereinstimmung, den das Grundgesetz ausdrücklich enthält. Artikel 5 Absatz 3 sagt, dass die Freiheit der Lehre nicht von der „Treue zur Verfassung“ entbinde. Eine Aufforderung zum gewaltsamen Umsturz unserer freien demokratischen Grundordnung stünde mit der Treue zur Verfassung nicht in Übereinstimmung.

          Wenn man annimmt, dass Religionsvermittlung in der Lehre an Schulen und Hochschulen nicht rein deskriptiv vor sich gehen muss oder darf, sondern auch für die vermittelte Religion werbend und also überredend wirken darf, ergibt sich die gleiche soeben für den Marxismus, Kommunismus und Nationalsozialismus gezeigte Problematik. Dabei kommt es sicherlich auf den Inhalt der mitgeteilten Glaubensüberzeugung an. Es ist wohl bisher als selbstverständlich empfunden worden, dass christlicher Religionsunterricht und Religionslehre an deutschen Fakultäten ihre Glaubensüberzeugung ungehemmt verkünden dürfen, gerade auch als Ziel ihrer Lehre es ansahen und es ansehen, Glaubensüberzeugungen zu wecken. Täten diese Lehrer das nicht, müssten sie für ihr Fach als ungeeignet angesehen werden (Fall Küng). Aber es ist auch - mit Recht - bisher nicht behauptet worden, dass die christliche Religionsvermittlung mit dem Grundgesetz in Konflikt kommen könnte.

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