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Internetkriminalität : Suche auf der dunklen Seite des Netzes

Internet der bösen Dinge: Im Darknet sind Waffen, Falschgeld und viele andere illegale Produkte sogar für anonyme Käufer verfügbar. Bild: Foto Screenshot F.A.Z.

Im Darknet wird anonym mit Waffen, Drogen und Kinderpornos gehandelt. Dagegen gehen zwei Staatsanwälte in Gießen vor. Sie wollen handeln, bevor Schaden entsteht.

          Wenn der Staat den Bürgern zeigen will, dass er sich um ihre Sicherheit kümmert, sie vor Terroristen oder Amokläufern schützt, dann kommt er gerne martialisch daher. Sobald Terroristen zugeschlagen haben oder wenn ein Anschlag gerade noch verhindert werden konnte, laufen anschließend auf Bahnhöfen und Flughäfen auffallend viele Polizisten mit Schutzwesten und Maschinenpistolen herum. Gerne zeigen Politiker sich im Kreise der Polizei, etwa wenn eine neue Spezialeinheit zum Kampf gegen den Terror vorgestellt wird. Die Waffen des Staates als Garanten der Sicherheit des Bürgers.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Doch der Staat hat auch kaum sichtbare Möglichkeiten, sich um den Schutz der Bürger zu kümmern. Zum Beispiel, wenn es darum geht zu verhindern, dass Menschen mit mörderischen Absichten, Terroristen oder Amokläufer, über das Internet an Waffen gelangen. Über das Darknet, genau genommen, den dunklen Teil des Netzes, in dem alle Nutzer anonym sind. Um diesen Fall kümmern sich Menschen wie Benjamin Krause und Georg Ungefuk. Wenn man mit ihnen sprechen will, braucht man einen Termin. Dann muss man nach Gießen fahren, in die Marburger Straße. Dort steht gegenüber dem Verwaltungsgericht ein Bürogebäude, das dem Gericht an Schmucklosigkeit in nichts nachsteht, sieht man einmal davon ab, dass ein historisches Portal in den modernen Bau integriert wurde. Nicht schön, aber originell.

          Durch dieses Portal kommt Ungefuk, um dem Besuch persönlich die Tür zu öffnen und ihn ins Dachgeschoss zu geleiten. Von oben per Türöffner das Schloss zu entriegeln wäre zu unsicher. Innen auf der Eingangstür steht ein Schild, das dazu auffordert, die Tür zu schließen, wenn jemand das Gebäude verlässt. Es soll niemand durch die zufallende Tür schlüpfen können, der nicht angemeldet ist. Zu Fuß geht es nach oben, einen Aufzug gibt es nicht. Oben wartet schon Benjamin Krause, Staatsanwalt wie Ungefuk, in einem kleinen Zimmer. Willkommen in der ZIT, der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität.

          Der Eingang ist leicht zu finden

          Die beiden bieten Kaffee, Wasser und Kekse an, vor allem aber Informationen. Krause berichtet von drei „Säulen“, aus denen die Arbeit der ZIT bestehe. Man kämpfe erstens gegen die „klassische Internetkriminalität“ wie Hackerangriffe, Datendiebstahl oder Computerbetrug. Zweitens gegen die Kinderpornographie im Netz und drittens gegen den Handel mit illegalen Waren wie Drogen und Waffen im Darknet. Dessen Verteidiger weisen immer wieder darauf hin, dass das Darknet auch seine gute Seiten habe, etwa Oppositionellen in Diktaturen die Möglichkeit zu geschützter Kommunikation gebe. Doch das ändert nichts daran, dass dort viele kriminelle Geschäfte abgewickelt werden.

          Ungefuk erzählt, dass man in der ZIT bereits Ende des Jahres 2014 auf die Idee gekommen sei, gegen das Anbieten von Waffen im Darknet vorzugehen. Der kleinen Truppe der ZIT, die zur Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft gehört, ging und geht es darum, Dinge frühzeitig zu verhindern. „Üblicherweise wird der Staatsanwalt aktiv, wenn bereits etwas passiert ist“, beschreibt Krause das Ziel. „Wir versuchen Themen, wie eben den Waffenhandel im Internet, anzugehen, noch bevor wir es mit konkreten Schadensfällen zu tun haben.“

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