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Probleme des Internets : Regeln für die schöne neue Welt

  • -Aktualisiert am

Bild: Greser & Lenz

Für Kriminelle bietet das Internet ein Feld unendlicher Möglichkeiten, deshalb brauchen wir einen Gesellschaftsvertrag. Der Einzelne muss dafür auch bereit sein, Freiheiten aufzugeben.

          8 Min.

          Mit jedem Tag wird uns zunehmend bewusst, wie abhängig wir vom Internet sind, aber auch, wie angreifbar es uns macht. Das Bankwesen, Gewerbe und Industrie, die Regierung sowie die nationalen Infrastrukturen, sie alle sind auf das Internet angewiesen. Wir interagieren miteinander in den sozialen Medien und teilen dort Momente der Freude ebenso wie unsere Traurigkeit, Liebe und Wut. Die Veröffentlichung intimster Erfahrungen in Worten und Bildern ist für die jüngere Generation selbstverständlich. Gutes bewirkt das Internet in den Entwicklungsländern. Hier ermöglicht es Millionen von Menschen den Zugang zu Wissen und Kommunikation, der benötigt wird, um diese Menschen aus ihrer Armut zu befreien. Als Motor des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritts wird das Internet in der Menschheitsgeschichte einmalig sein – vorausgesetzt, dass wir das Vertrauen darin aufrechterhalten können.

          Denn die Möglichkeiten des Internets bringen auch ernstzunehmende Anfälligkeiten mit sich. Gerade weil wir Finanzgeschäfte und Einkäufe im Internet tätigen, zieht es auch Kriminelle an. Internetkriminalität und Hackerangriffe durch feindliche Gruppen auf Banken und Unternehmen nehmen ebenso zu wie der Diebstahl von geistigem Eigentum und drohen damit das Vertrauen in den sicheren Gebrauch des Internets zu untergraben. Durch das Internet sind zum einen neue Arten von Verbrechen entstanden, wenn etwa Kriminelle aus dem Ausland Geld von Menschen erpressten, indem sie den Computer ihrer Opfer gehackt haben, obwohl diese vielleicht niemals das Land verlassen haben, zum anderen macht es Straftaten wie den Austausch von kindesmissbrauchendem Material leichter.

          Das heutige Internet ist von den Daten seiner Nutzer abhängig, die von Internetunternehmen aus Marketingzwecken zu Geld gemacht werden: Dadurch können wir die Dienstleistungen, die wir in Anspruch werden, kostenlos nutzen. Gerade weil das Internet kostenlos und wirtschaftlich ist, nutzen es Terroristen, Drogenhändler, Menschenschmuggler, Kinderschänder und Kriminelle aller Art, um sich abzusprechen. Auch gewalttätige Dschihadisten verbreiten ihre radikalisierenden Botschaften über das Internet. Es ist somit zwangsläufig der Ort, an dem Polizei und Geheimdienste ihre Ziele verfolgen und damit die Angst vor einer totalen Überwachung des Bürgers schüren.

          Wie bei früheren Innovationen haben wir die Möglichkeiten des Internets ergriffen, ohne uns über die internationalen Normen und nationalen Gesetze zu verständigen, die es uns erlauben, angemessen mit seinen Schwachstellen umzugehen. Das Internet muss für alle frei zugänglich sein, es muss global sein, widerstandsfähig gegenüber Störungen und geschützt – aber auch sicher für uns nutzbar. Um dieses Ziel zu erreichen, muss es eine Übereinkunft zwischen der Öffentlichkeit und der Regierung, der Polizei und den Geheimdiensten darüber geben, wie das Recht der Privatsphäre und der freien Meinungsäußerung gegen unser Recht auf Leben und Sicherheit abgewogen werden muss und das Recht gewahrt werden kann. „Nous sommes tous Charlie maintenant“, aber die terroristischen Angriffe in europäischen Hauptstädten erinnern uns auch an die ständige Wachsamkeit der Behörden, die notwendig ist, um unsere Freiheit vor denjenigen zu schützen, die unsere Werte nicht teilen.

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