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Die Folgen der Reichsacht : 500 Jahre Wormser Edikt

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500 Jahre nachdem der Kirchenreformator Martin Luther auf der Wartburg Zuflucht fand, erinnert eine Sonderausstellung an das historische Ereignis. Bild: dpa

Das Wormser Edikt zeigte den Zusammenhang von geistlicher und weltlicher Gewalt. Das moderne Religionsverfassungsrecht dient als Rahmen zur Entfaltung der religiösen Vielfalt der Moderne.

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          Luthers Verweigerung des Widerrufs seiner Lehren vor 500 Jahren wurde jüngst zu Recht als epochales Ereignis gefeiert. Historisch viel bedeutsamer war jedoch die Reaktion Kaiser Karls V. darauf durch das Wormser Edikt vom 8. Mai 1521, das die Reichsacht über Luther und seine Anhänger verhängte, weil daran das Schicksal der Reformation wie an einem seidenen Faden hing und erst der Westfälische Friede ihr Existenzrecht unbestreitbar verbürgte.

          Das Wormser Edikt zeigte noch einmal symbolkräftig den engen Zusammenhang der geistlichen und der weltlichen Gewalt in der tausendjährigen Geschichte der abendländischen Christenheit. Der Kaiser war als Vogt und weltlicher Schirmherr der Kirche für den Vollzug des Bannes durch die Reichsacht zuständig, ohne dabei rechtlich an die Mitwirkung des Reichstags gebunden zu sein. Der Kaiser versprach sich davon eine Stärkung seiner Autorität und Legitimität als weltliches Haupt der Christenheit. Aber durch sein Zusammenspiel mit dem Papst machte er sich auch angreifbar durch die lutherische Theologie. Jede Schwächung der geistlichen Fundamente gefährdete die weltliche Autorität und Ordnung. Glaubenszweifel zogen Rechtsunsicherheit nach sich. Glaubensstreit führte zur Zerrüttung des weltlichen Friedens und der öffentlichen Ordnung. Das wirkte sich politisch und rechtlich aus, als viele Reichsstände der Lehre Luthers folgten und sich bündisch formierten.

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