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„Aktion Ungeziefer“ : Die DDR nannte sie „Schädlinge“

  • -Aktualisiert am

Die Gedenkstätte Point Alpha im thüringischen Geisa erinnert an die Zeit der deutschen Teilung und die Staatsgrenze der DDR im Kalten Krieg. Bild: Picture-Alliance

Mit der „Aktion Ungeziefer“ wurden als politisch unzuverlässig eingestufte DDR-Bürger aus dem Sperrgebiet entlang der innerdeutschen Grenze entfernt. Die Vertriebenen von damals sind vergessen – und nie entschädigt worden. Ein Gastbeitrag.

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          Es waren generalstabsmäßig angelegte Operationen, die die DDR-Staatsführung auf sowjetischen Druck im Juni 1952 und erneut nach dem Bau der Berliner Mauer im Oktober 1961 anordnete. Die erste nannte der Erfurter Bezirksratsvorsitzende Willi Gebhardt (SED) „Aktion Ungeziefer“, die zweite Operation lief unter dem Namen „Festigung“. Das Ziel war, als politisch unzuverlässig eingestufte DDR-Bürger aus dem Sperrgebiet entlang der einstigen innerdeutschen Grenze zu entfernen. Nach Schätzungen wurden bis zu 12.000 Menschen auf diese Weise an andere Orte im Land unter Zwang buchstäblich verfrachtet. „Wir wurden samt Hab und Gut auf Güterwagen der Bahn regelrecht verladen“, erzählten Betroffene später, Zielort zumeist unbekannt. 3000 sollen sich der Zwangsaussiedlung durch Flucht in den Westen entzogen haben.

          In Streufdorf (Kreis Hildburghausen) versuchten Bewohner sich mit Barrikaden – vergeblich – gegen die anrückenden Polizei-, Grenz- und Kampftruppen zur Wehr zu setzen. Wer als „politisch unzuverlässig“ galt – „Diversanten, Spione, Terroristen und Schädlinge“ im amtlichen Sprachgebrauch –, entschieden die Staatssicherheitsorgane willkürlich, zum Teil aufgrund von Denunziationen. An den neuen Wohnorten wurde verbreitet, bei den Ankömmlingen handele es sich um „Kriminelle“.

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