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Rundfunkgebühren : Wieviel Geld kostet der Sport den Beitragszahler?

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Ferner: Das der Öffentlichkeit weithin unbekannte Geflecht von Tochterfirmen der Rundfunkanstalten wirft seit geraumer Zeit Fragen des fairen Wettbewerbs und der ordnungsgemäßen Auftragsvergabe auf. Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) spricht in ihrem 20. Bericht (April 2016) zum Jahresende 2013 von insgesamt 202 Tochter- und Enkelgesellschaften, davon 50 mit einer Minderheitsbeteiligung der Rundfunkanstalten. Die 152 Gesellschaften mit einer Mehrheitsbeteiligung der Sender weisen einen jährlichen Umsatz von über 1,5 Milliarden Euro aus. Ende Juli hat das Bundeskartellamt gegen einige Fernsehstudiobetreiber im Verbund von ARD und ZDF wegen eines rechtlich unzulässigen Informationsaustauschs Bußgelder in Höhe von insgesamt etwa 3,1 Millionen Euro verhängt. Wäre es nicht an der Zeit, zur Ermöglichung einer öffentlichen Debatte über jene „Trabanten“ (einschließlich der Finanzströme und einer Kontrolle) vollständige Transparenz zu jenem Dickicht herzustellen?

Ein Höchstmaß an Intransparenz besteht, um ein letztes Beispiel zu geben, bei der Finanzierung der Sportrechte von ARD und ZDF. Die KEF hat in ihrem 19. Bericht (Februar 2014) festgestellt, bei dem erreichten Kostenvolumen sei „die Grenze des wirtschaftlich Vertretbaren erreicht und in Teilbereichen überschritten“. Die Rundfunkgremien zeigen sich zunehmend besorgt über fortwährend steigende Kosten, stimmen aber dennoch den abgeschlossenen Verträgen regelmäßig zu. Dem Vernehmen nach entscheiden letztlich der Sportchef, der Chefredakteur und der Intendant eines Senders über den Erwerb von Sportrechten. So stellt die im Oktober 2015 im Ausschuss für Medien des Landtags Rheinland-Pfalz öffentlich erörterte Rechnungshofprüfung beim SWR fest: Sportrechte seien teilweise ohne oder ohne rechtzeitige Beteiligung der Gremien erworben worden; zum Teil seien die den Gremien zur Entscheidung vorgelegten Erwerbsvorgänge unzureichend beschrieben gewesen. Bei den Sportrechten sind mittlerweile sogar Privatsender transparenter als ARD und ZDF, wenn immerhin im Nachhinein Rechtekosten mitgeteilt werden.

Nun beginnen die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Der Kostenaufwand von ARD und ZDF sollte gegenüber den Beitragszahlern offengelegt werden, ebenso die Honorierung externer „Sport-Experten“. Zum Vergleich: Die Rechtekosten für Olympia 2012 in London werden von Kennern der Materie auf 140 Millionen Euro geschätzt, hinzu kämen Produktionskosten von weiteren 20 Millionen Euro. Könnten diese Zahlen von ARD und ZDF bestätigt werden? Spätestens im Jahr 2020 ist eine Diskussion um eine signifikante Erhöhung des Rundfunkbeitrags zu erwarten. Die Akzeptanz der Beitragszahler könnte eine nicht zu unterschätzende Bedeutung erlangen. Die anhaltende Intransparenz der öffentlich-rechtlichen Sender zum Umgang mit den Beiträgen in wesentlichen Bereichen des Rundfunkgeschehens stärkt weder das Vertrauen der Beitragszahler in die Anstalten und ihre Organe noch fördert sie die Akzeptanz der Zwangsabgabe und ihrer Verwendung.

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