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Anschläge in Sri Lanka : Spezialkräfte machen weiteren Sprengsatz unschädlich

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Zunächst bekannte sich niemand zu den Angriffen. Die Behörden sprachen zunächst nicht von einem Terrorakt. Staatspräsident Maithripala Sirisena sprach von „Angriffen“. Die Streitkräfte und die Polizei würden der „Verschwörung“ auf den Grund gehen.

Die Oberbefehlshaber der Streitkräfte hielten mit mehreren Ministern eine Krisensitzung ab, wie der Minister Harsha de Silva auf Twitter schrieb. In einer Kirche in Colombo habe es „schreckliche Szenen“ gegeben. Diese sei mit Körperteilen übersät gewesen.

Eine 20 Jahre alte Touristin aus Dänemark, die mit drei Freundinnen in einem Hotel in Colombo untergekommen ist, sagte dem dänischen Rundfunk zur Explosion in der St.-Antonius-Kirche: „Es herrschte Chaos in der Straße, mit Menschen und Rettungswagen überall. Viele der Einheimischen haben die Straße hinunter gezeigt und gesagt, es habe eine Explosion gegeben und viele seien tot.“

„Es war 08.30 Uhr“, sagt ein Mitarbeiter des Hotels Cinnamon Grand. „Es gab viel zu tun, wir hatten viele Familien da.“ Das Osterwochenende sei ausgebucht gewesen. Plötzlich eine Explosion. Danach habe dann „völliges Chaos“ geherrscht, sagt der Mitarbeiter. Einer der Manager, der die Gäste im Restaurant begrüßte, sei sofort tot gewesen.

Nur sieben Prozent sind Christen

In Colombos altehrwürdiger Kirche St. Antonius dauerte es länger, bis Hilfe eintraf. Die Gläubigen feierten gerade die Ostermesse, als auch dort eine Explosion das Gebäude erschütterte. Der Ladenbesitzer N. A. Sumanapala rannte sofort von seinem Geschäft in die benachbarte Kirche. „Es war wie ein Fluss aus Blut“, sagte er. „Der Priester kam mit entgegen, er war von Blut bedeckt.“

Ein Teil des Daches der historischen Kirche ist eingestürzt, der Boden mit Dachziegeln, gesplittertem Glas und Holzteilen übersät. Neben Blutlachen lagen Leichen, notdürftig mit Decken, Schals und Kleidung bedeckt.

Ein Anwohner namens Gabriel berichtete gegenüber AFP, dass sei Bruder bei der Explosion in der Kirche war. „Ein Stück des Daches stürzte auf seinen Kopf, er blutete stark aus seinem Ohr“, sagte Gabriel. „Wir stehen unter Schock.“

Nur etwa sieben Prozent der Bevölkerung Sri Lankas sind Christen. Die Mehrheit sind Buddhisten. Jedes Jahr reisen Zehntausende Deutsche in das frühere Ceylon. Der Inselstaat von der Größe Bayerns hat gut 20 Millionen Einwohner. Er bietet neben tropischen Stränden unter anderem mehrere UNESCO-Welterbestätten, sechs Kultur- und zwei Naturdenkmäler.

Das Auswärtige Amt aktualisierte kurz nach den Attacken seine Reisehinweise. „Reisende werden gebeten, die Anschlagsorte weiträumig zu meiden, die lokalen Medien zu verfolgen, engen Kontakt zu Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften zu halten und Anweisungen von Sicherheitskräften Folge zu leisten“, schrieb das Ministerium. Die Lage sei unübersichtlich. „Mit weitreichenden Sicherheitsmaßnahmen wie Absperrungen, aber auch Einschränkungen im Flugverkehr und verstärkten Kontrollen vor dem Betreten des Flughafengebäudes und dem Abflug ist zu rechnen.“ Die Flughafengesellschaft rief die Reisenden dazu auf, mindestens vier Stunden vor Abflug vor Ort zu sein.

Die deutsche Botschaft in Sri Lanka steht nach Angaben von Außenminister Heiko Maas mit den lokalen Behörden in Kontakt und bemühe sich mit Hochdruck um Aufklärung, ob auch Deutsche betroffen sind. Das Auswärtige Amt richtete einen Krisenstab ein. Besorgte Angehörige können sich unter 030-50000 melden.

Sri Lankas Bürgerkrieg war 2009 nach 26 Jahren zu Ende gegangen. Die Rebellengruppe Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) hatte für einen unabhängigen tamilischen Staat im Norden des Landes gekämpft. Die Armee ging gegen die Aufständischen mit aller Härte vor und besiegte sie schließlich. Die UN werfen beiden Seiten Kriegsverbrechen vor.

Eine Ambulanz versucht sich einen Weg im Straßenverkehr von Colombo zu bahnen.

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