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Russischer Impfstoff : Wendiger Söder

Liebesgrüße aus Moskau, hier an das libysche Volk Bild: Reuters

Vor Nebenwirkungen des wirksamen Astra-Zeneca-Impfstoffs geht die Furcht um. Über Wirkungen und Nebenwirkungen von Sputnik V weiß man nichts. Grund zu Furchtlosigkeit sollte das nicht sein.

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          Impfstoff ist Impfstoff – das sollte auch für die Zulassung und Beschaffung des in Russland entwickelten Vakzins Sputnik V gelten. Weder ist er per se unwirksamer als Impfstoffe westlicher Herkunft noch wäre es politisch geboten, auf dessen Anwendung zu verzichten, nur weil er nicht in Deutschland, England oder den Vereinigten Staaten entwickelt wurde.

          Doch noch immer fehlt es an der Zulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde Ema. Wann diese vorliegen wird, steht in den Sternen. Das ist auch gut so. Denn solange keine belastbaren Daten über die Wirksamkeit und die möglichen Nebenwirkungen vorliegen und solange das fachgerechte Zustandekommen von Datensätzen und Studiendesigns nicht von unabhängiger Seite gründlich überprüft werden kann, wäre es nachgerade lebensgefährlich, der russischen Regierungspropaganda von einem hochwirksamen Impfschutz zu trauen.

          Schon jetzt muss man konstatieren, dass die Diversionsstrategie Moskaus wieder einmal verfängt. Und zwar nicht nur an den Rändern der EU, sondern auch mitten in Deutschland. Es ist schon fatal genug, dass sich Politiker in Ostdeutschland gleich welcher Couleur einem Regime andienen, in dem ein ehemaliger KGB-Agent den Ton angibt, der sein Handwerk unter anderem in Dresden gelernt hat, und in dem Bürger- und Menschenrechte mit Füßen getreten werden.

          Aber es sagt auch alles über die Wendigkeit des CSU-Mannes Söder aus, dass er jetzt den Chefeinkäufer des Westens gibt.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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