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Trump-Mitarbeiterin Sadler : Spott über kranken McCain löst Fassungslosigkeit aus

  • Aktualisiert am

John McCain Bild: AP

„Er stirbt sowieso“ – Diese Bemerkung einer Trump-Mitarbeiterin über den krebskranken Senator John McCain hat Entsetzen ausgelöst. Mittlerweile soll Kelly Sadler um Entschuldigung gebeten haben.

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          Der Spott einer Mitarbeiterin des Weißen Hauses über den an Krebs erkrankten Senator John McCain hat scharfe Reaktionen ausgelöst. Stein des Anstoßes war eine Bemerkung von Trumps Mitarbeiterin Kelly Sadler. Sie hatte über die Opposition McCains gegen die von Trump als neue CIA-Direktorin nominierte Gina Haspel laut Medienberichten gesagt: „Das ist egal. Es stirbt sowieso.“ Die verletzende Äußerung sei bereits am Donnerstag bei einem internen Treffen gefallen, berichteten amerikanische Medien unter Berufung auf eine ungenannte Quelle. Die Zeitung „The Hill“ hatte den Vorfall als erstes beschrieben; später wurde die Äußerung anderen Journalisten gegenüber bestätigt.

          McCains Tochter Meghan McCain sagte dem Sender ABC am Freitag (Ortszeit), sie verstehe nicht, wie Sadler noch immer im Amt sein könne. McCains Ehefrau Cindy wandte sich direkt via Twitter an Sadler: „Wenn ich Sie daran erinnern darf, mein Mann hat eine Familie, 7 Kinder und 5 Enkel.“ Der ehemalige Vize-Präsident Joe Biden sagte laut Berichten am Freitag: „Die Leute haben sich gefragt, wann der Anstand bei dieser Regierung den Tiefpunkt erreichen würde. Gestern ist es passiert.“ Ähnlich fassungslos äußerten sich zahlreiche weitere Abgeordnete.

          „Ein Witz, der missraten ist“

          Sadler selbst rief laut Medienberichten McCains Tochter Meghan an und bat sie um Entschuldigung. Das Weiße Haus wollte sich jedoch zunächst nicht zu Sadlers Bemerkungen äußern. „Ich werde keine Äußerung bestätigen, die aus einem internen Stabstreffen durchgesickert ist“, sagte Trump-Sprecherin Sarah Sanders am Freitag (Ortszeit). In einer Mitteilung des Weißen Hauses hieß es nur: „Wir respektieren den Dienst von Senator McCain an unserer Nation. Wir schließen ihn und seine Familie in dieser schwierigen Zeit in unsere Gebete ein.“ Ein Mitarbeiter des Weißen Hauses sagte dem Sender CNN, Sadler habe einen Witz machen wollen, der missraten sei.

          Der 81 Jahre alte McCain leidet an einem Hirntumor. Ärzte hatten das Geschwulst im vergangenen Juli entdeckt, als sich der frühere Präsidentschaftskandidat der Republikaner wegen eines Blutgerinnsels über dem Auge einer Operation unterziehen musste. Der ehemalige Vietnam-Kriegsgefangene steht der nominierten CIA-Direktorin Haspel kritisch gegenüber, weil sie nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 an der Folter von Gefangenen in geheimen CIA-Gefängnissen beteiligt gewesen sein soll. In der kommenden Woche soll der Senat über Haspels Nominierung entscheiden. McCain ist ein entschiedener Gegner der Folter. Er war selber als Kriegsgefangener in Vietnam von den Vietcong gefoltert worden.

          Die von Präsident Donald Trump nominierte Haspel hatte am Mittwoch bei einer Anhörung im Senat beteuert, dass sie den damaligen Umgang mit Häftlingen heute nicht mehr erlauben würde. Allerdings lehnte es die stellvertretende CIA-Direktorin ab, die früheren Praktiken zu verurteilen. McCain bekräftigte daraufhin seinen Widerstand gegen die Kandidatin. Ihre „Weigerung, Folter als unmoralisch zu bezeichnen“, disqualifiziere sie für das Amt der CIA-Direktorin, erklärte er. Haspel braucht die Zustimmung des Senats, um die Leitung des Geheimdienstes zu übernehmen. Wegen der knappen Mehrheitsverhältnisse kommt es dabei auf jede Stimme an.

          Amerika : Krebskranker McCain richtet emotionalen Appell an Senat

          McCain ist ein harter Kritiker Trumps, ihr Verhältnis gilt als zerrüttet. Die Zeitung „New York Times“ und der Sender NBC News berichteten vor einigen Tagen, McCain wolle nicht, dass der Präsident an seiner Beerdigung teilnehme. Im Wahlkampf hatte sich Trump darüber mokiert, dass McCain als Kriegsheld gilt. Für ihn sei der Senator „kein Held“, sagte Trump damals: „Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden, okay?“ Trump hatte selbst einst den Wehrdienst
          umgangen.

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