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Spitzenkandidat : Grüne ziehen mit Fischer in den Wahlkampf

  • Aktualisiert am

Per Wahl vor den grünen Karren gespannt: Joschka Fischer Bild: AP

Zum ersten Mal in ihrer Parteigeschichte haben sich die Grünen förmlich einen Spitzenkandidaten gewählt.

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          Die Grünen ziehen mit Bundesaußenminister Joschka Fischer als alleinigem Spitzenkandidaten in den Bundestagswahlkampf. Das beschloss der Parteirat der Grünen am Montag bei einer Gegenstimme. Die Grünen-Fraktion hatte sich bereits in der vergangenen Woche mehrheitlich hinter Fischer als alleinigen Spitzenkandidaten gestellt.

          Damit hat die Partei zum ersten Mal in ihrer Geschichte förmlich einen Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl im September gewählt. Fischer wird unterstützt von einem Spitzenteam mit sechs Mitgliedern. Dazu gehören die Parteivorsitzenden Claudia Roth und Fritz Kuhn, die Fraktionschefs Kerstin Müller und Rezzo Schlauch sowie die Verbraucherschutzministerin Renate Künast und Umweltminister Jürgen Trittin.

          Basis muss nicht zustimmen

          Fischer wird sich beim Parteitag der Grünen im März nicht dem Votum der Delegierten stellen müssen. Fischer war bereits im Bundestagswahlkampf 1998 als Zugpferd seiner Partei angetreten. Bisher hatten sich die Grünen immer gegen einen personalisierten Wahlkampf ausgesprochen. Die Partei, die sich derzeit in einem Stimmungstief befindet, erhofft sich von dieser Entscheidung bessere Umfragewerte.

          Zuvor hatten mehrere Grüne gefordert, die Wahlkampfspitze paritätisch zu besetzen und Verbraucherschutzministerin Renate Künast Fischer zur Seite zu stellen. Grünen-Finanzexpertin Christine Scheel unterstrich am Montag, angesichts des zu erwartenden „extremen Medienwahlkampfes“ reiche es nicht aus, wenn die Grünen nur mit einer Vielfalt von Inhalten in die Wahl gingen. Vielmehr müsse es eine Verbindung von Person und Inhalt geben. Die Grünen müssten deshalb den Mut haben, einen Spitzenkandidaten zu benennen.

          Kein Vize-Kanzlerwahlverein

          Dagegen warnte Thüringens Grünen-Chefin Astrid Rothe vor der Parteiratssitzung vor einem „künstlich konstruierten Personenwahlkampf“. Die Grünen würden mit Landeslisten und nicht mit einem Kanzlerkandidaten in die Wahl gehen. Auch der Grünen-Bundestagsabgeordnete Werner Schulz lehnt die alleinige Kandidatur Fischers ab.

          Der baden-württembergische Bundestagsabgeordnete Winfried Hermann warnte, die Grünen dürften nicht zu einem „Vize-Kanzlerwahlverein“ werden und analog zu den anderen Parteien „jetzt auch einen auf Spitzenkandidat machen“.

          Höhn: „Was die Quotierung angeht, stehen wir gut da“

          Nordrhein-Westfalens Landeschefin Bärbel Höhn, die bislang ebenfalls eine Doppelspitze für den Wahlkampf favorisiert hatte, sagte, die Grünen könnten sich „einer bestimmten Entwicklung in der Geschichte“ nicht entziehen. Deshalb sei sie realistisch. In der Parteibasis sei die Entscheidung für Fischer als alleiniger Kandidat der Grünen weniger umstritten als viele glaubten. Im Wahlkampfteam seien ansonsten sehr viele Frauen vertreten. „Was die Quotierung angeht, stehen wir gut da“, sagte Höhn.

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