https://www.faz.net/-gpf-3nq1

Spin Doctors : Wer spinnt denn da?

  • -Aktualisiert am

Der richtige Dreh ist wichtig: Stoiber mit Spin Doctor Spreng Bild: dpa

Politik-PR hat in Wahlkampfzeiten Hochkonjunktur. Ein Blick in die Welt der Spin Doctors.

          4 Min.

          Die Spin Doctors sind wieder in aller Munde, die Imagemacher und Strippenzieher, die vermeintlichen Hexenmeister der politischen PR im Theaterstück Bundestagswahl. Ein solcher Spin Doctor soll Michael Spreng sein, der für den Wahlkampf angeheuerte Stoiber-Berater, genauso wie sein Gegenüber, der SPD-Bundesgeschäftsführer und -Wahlkampfmanager Matthias Machnig. Sind die Spin Doctors nur ein journalistisches Hirngespinst, ein eigener Berufszweig oder werden eigentlich altbekannte Praktiken der Politik-PR-Branche nur mit einem schicken englischen Begriff belegt?

          Fest steht: Erstmals benutzte im Oktober 1984 ein Journalist der „New York Times“ den Ausdruck in einem Artikel über eines der TV-Duelle zwischen den US-Präsidentschaftskandidaten Reagan und Mondale. Als Spin Doctors beschrieb er die hinter der Bühne wartenden PR-Berater beider Bewerber, die den Journalisten jeweils unterschiedliche Bewertungen des selben Geschehens feilboten, um so der Berichterstattung einen ihnen genehmen Spin oder auch Dreh zu verleihen. Der Begriff machte in den Folgejahren Karriere, so dass seit 1988 der Bereich hinter der TV-Duell-Bühne auch ganz offiziell “spin alley“ heißt. 1989 war Spin Doctor schon Unwort des Jahres in den USA - zu einer Zeit als Journalisten und Politiker hierzulande es sich noch im Raumschiff Bonn gemütlich machten und die Berliner Medienrepublik in weiter Ferne lag.

          Politik-PR boomt

          Heute ist Spin Doctoring offenbar nur mehr ein Synonym für Professionalisierungstendenzen in der politischen PR - in den USA genauso wie in Deutschland. Anders als in Deutschland, wo der Bundestagswahlkampf zu großen Teilen in den Parteizentralen geplant und verantwortet wird, gibt es in den USA mittlerweile eine hochspezialisierte Industrie politischer PR-Berater mit eigenem Berufsverband, Studiengängen und Fachzeitschriften. Der von außen kommende und auf Zeit verpflichtete Wahlkampfberater Spreng, ehemaliger Chefredakteur der „Bild am Sonntag“ und Nicht-Parteimitglied, stellt da eher eine Ausnahme dar - zumal er lange eigentlich als Schröder-Intimus galt.

          Allerdings verändert sich die deutsche PR-Szene, wie durch die Hunzinger-Verstrickungen von Cem Özdemir (Grüne) und Rudolf Scharping (SPD) aufgeschimmert ist. Die Branche boomt. Fast alle großen PR-Agenturen haben in Berlin Zweigstellen eröffnet, neue Agenturen treten scharenweise auf den Markt. Was früher schlicht Lobbying und politische Öffentlichkeitsarbeit hieß, nennen sie neudeutsch Public Affairs oder Governmental Relations. In Fragen der Wahlkampfstrategie bauen alle Parteien nach wie vor im Wesentlichen auf ihre eigene Kompetenz. „Wahlkampfkommunikation wird in Deutschland schnell als Parteinahme ausgelegt“, erklärt Hans Bellstedt, Geschäftsführer von Plato-Kommunikation, einem der Branchenführer. Deshalb seien die strategischen Aktivitäten der PR-Agenturen vor allem auf den Regierungsalltag beschränkt.

          Parteibuch nicht Bedingung

          Weitere Themen

          „Wir werden nie wieder ein Lockdown machen“ Video-Seite öffnen

          Trumps Große Versprechen : „Wir werden nie wieder ein Lockdown machen“

          Der Bundesstaat Florida könnte für den Wahlausgang am 3. November eine wichtige Rolle spielen. In dem Bundesstaat gibt es große lateinamerikanische Bevölkerungsgruppen. Die kubanischen Amerikaner im Süden tendieren traditionell zu den Republikanern, die Puerto Ricaner in Zentralflorida eher zu den Demokraten.

          Topmeldungen

          Endlich fertig: Der neue Hauptstadtflughafen BER

          Der BER ist fertig : Ein Wunder zur Unzeit

          Der neue Hauptstadtflughafen nimmt den Betrieb auf – 14 Jahre nach dem ersten Spatenstich und acht Jahre nach Plan. Die Liste der Lehren aus dem Desaster ist lang.

          Olaf Scholz im Interview : „Viele Löhne sind eine Beleidigung“

          Finanzminister Olaf Scholz leitet aus der Pandemie einen großen sozialen Reformauftrag für seine Partei ab. Im Gespräch erklärt er seine Pläne. Steuern will er aber nicht senken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.