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Kriminelle Einwanderer : „Eine Problemgruppe wie Rocker und Hooligans“

Jörg Grethe ermittelt Mehrfachtäter aus den Maghreb-Staaten, die Seriendiebstähle begehen. Bild: Wolfgang Eilmes

In Karlsruhe ermittelt eine Spezialeinheit, wenn Einwanderer mehrfach straffällig werden. Die meisten Täter kommen aus Ländern des Maghrebs. Lohnt sich der aufwendige Kampf gegen die Alltagskriminalität?

          6 Min.

          Im März 2016 betreten N.B. und K.A., die erst seit ein paar Monaten in Deutschland sind, einen Drogeriemarkt in Pforzheim. Sie schirmen sich gegenseitig ab, prüfen durch Blicke nach links und rechts, ob sie jemand beobachtet. K.A. steckt zwei Parfums im Wert von insgesamt 139,20 Euro ein, N.B. drei Parfums im Wert von 309,35 Euro. Die Videoüberwachung zeichnet alles auf. Ebenfalls im März stehlen sie aus einem Auto einen Roller und eine Fahrradbeleuchtung im Wert von insgesamt 210,50 Euro. Eine Zeugin filmt die Täter mit ihrem Handy, beide werden eindeutig identifiziert. Die Polizei ermittelt, dass N.B. schon im Februar in seiner Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einem Mitbewohner nachts das Mobiltelefon im Wert von 350 Euro gestohlen hatte. Sichergestellt wurde das Handy, als N.B. nach einem weiteren Ladendiebstahl im Februar durchsucht wurde. Zwei Wochen später wurde sein nächster Ladendiebstahl aktenkundig.

          Karin Truscheit
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          K.A. fällt der Polizei das erste Mal im Januar 2016 auf: Er stiehlt in einem Sportgeschäft in Heidelberg eine Jacke im Wert von 130 Euro. Als die Polizei K.A. danach durchsucht, findet sie ein zur Sachfahndung ausgeschriebenes Handy im Wert von 245 Euro und ein Handy im Wert von 800 Euro. Dieses Handy hatte er eine halbe Stunde zuvor in einem Elektromarkt einem Mann aus der Tasche gezogen, nachdem er ihn angerempelt hatte. Anfang Februar stiehlt er abermals ein Handy, rund drei Wochen später in einem Drogeriemarkt einen Parfum-Tester im Wert von 69,95 Euro. Als er den Laden verlassen will, hält ihn der Detektiv fest. Bei der ersten Erfassung hat N.B. angegeben, im Jahr 1999 in Marokko geboren zu sein. K.A. sagte, er sei 1994 in Algerien geboren. Später gaben beide an, jünger zu sein.

          N.B. und K.A. sind für die Karlsruher Polizei sogenannte Zielpersonen: Zusammen mit 29 anderen Zuwanderern – unter ihnen zwei Frauen – stehen sie bei der eigens dafür eingerichteten Ermittlungsgruppe „Mehrfachtäter Zuwanderung“ (EG MTZ) unter besonderer Beobachtung. Die meisten dieser Zielpersonen kommen aus den Maghrebstaaten und aus Georgien. Besonders die Zahl der straffälligen Georgier nimmt rapide zu. In Deutschland sind viele dieser Mehrfachtäter erst seit 2015. Lange genug, um innerhalb von drei Monaten mindestens drei bis vier Straftaten zu begehen und so auf die „Liste“ der EG gesetzt zu werden – wenn auch die kriminelle Energie und eine negative Sozialprognose dafür sprechen. „Einige sind erst zehn Tage in Deutschland und schon dabei“, sagt Jörg Grethe, Leiter des aus zwei Kriminalbeamten und zwei Schutzpolizisten bestehenden Teams. Nach drei Monaten ohne registrierte Straftat verschwinden die Zielpersonen wieder von der Liste. Gewalttätig würden die notorischen Diebe – im Gegensatz zu den Antänzern – bei den Festnahmen selten, im Gegenteil. „Manche sitzen ganz entspannt im Büro des Ladendetektivs, warten auf die Polizei und stehlen im Rausgehen noch die Zigaretten.“ Unrechtsbewusstsein hätten die Täter keines. „Sie räumen in aller Ruhe die Regale aus, Kamera hin oder her.“ Oft bestens ausgerüstet: mit eigens angefertigten Jacken, die 20 Innentaschen haben, oder T-Shirts mit einem Spezialbund als Stauraum.

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