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SPD : Struck: Merkel moderater als Schröder

  • Aktualisiert am

Schulterklopfen für die Kanzlerin Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der SPD-Fraktionschef lobt die Führungsqualitäten der Kanzlerin: Sein Bild über Merkel habe sich geändert, sagt Struck gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Ihre wachsende Beliebtheit beunruhige ihn aber nicht.

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          Der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck hat die Führungsqualitäten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Auftreten in der schwarz-roten Koalition gelobt: „Ich bin angenehm überrascht von der Bereitschaft, sich in Details auszukennen und doch nicht die große Linie zu vergessen“, sagte Struck der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.).

          Merkel führe im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Gerhard Schröder „auf verbindliche Art“, sagte Struck. „Frau Merkel ist eher moderat und enorm sachkundig in allen Bereichen, während Gerhard Schröder auch mal gesagt hat: Da soll es langgehen, so will ich das haben“, so der SPD-Politiker. Struck gab zu, daß er ein anderes Bild von Frau Merkel gehabt habe. „Man muß sich freimachen von dem Bild, das man sich über Jahre vom politischen Gegner gemacht hat“, sagte Struck der F.A.S.

          „Wir sind das Original“

          Trotz aller lobenden Worte warnte der SPD-Fraktionsvorsitzende seine Partei jedoch davor, wegen der guten Umfragewerte für Bundeskanzlerin Merkel in Nervosität zu verfallen: „Es hat keinen Sinn, sich gegen den Koalitionspartner profilieren zu wollen“, sagte Struck der F.A.S. im Vorfeld der am Sonntag beginnenden Klausur des SPD-Parteivorstands.

          Doch werde es der CDU nicht gelingen, das Thema Gerechtigkeit der SPD zu entreißen. „Das Thema soziale Gerechtigkeit ist ein ureigenes SPD-Thema. Die Union versucht nur, Konsequenzen aus der Bundestagswahl zu ziehen“, sagte Struck. Die Bürger würden aber „in 100 Jahren noch“ Gerechtigkeit bei der SPD sehen. „Selbst wenn die Union sozialdemokratischer wird: Wir sind das Original“, sagte Struck.

          „Kanzlerin fährt erst einmal die Früchte ein“

          Die Nervosität mancher SPD-Politiker über die wachsende Beliebtheit Merkels könne er „menschlich nachvollziehen“, sagte der SPD-Fraktionschef. „Aber mich beunruhigt das nicht. Es ist klar, daß die Kanzlerin erst einmal die Früchte einfährt“, fügte er hinzu.

          Merkel hat im ZDF-Politbarometer erstmals den Spitzenplatz auf der Liste der zehn wichtigsten Politiker erobert: Bei der Bewertung nach Sympathie und Leistung erreicht sie nach der am Freitag veröffentlichten Umfrage einen Durchschnittswert von 2,2. Im Dezember hatte ihr Wert auf der Skala von minus fünf bis plus fünf noch bei 1,7 gelegen. Auf dem zweiten Rang folgt SPD-Chef Matthias Platzeck mit 2,1 (Dezember: 2,2) vor dem niedersächsischen Regierungschef Christian Wulff (CDU) mit 1,7 (Dezember: 1,8) und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) ebenfalls mit 1,7 (Dezember: 1,5).

          Auf das Thema Familie konzentrieren

          Mit Blick auf 2009 sprach sich Struck gegenüber der F.A.S. für eine Kanzlerkandidatur des SPD-Vorsitzenden und brandenburgischen Ministerpräsidenten Platzeck aus: „Platzeck ist die unumstrittene Führungsfigur“. Außerdem sei der Parteivorsitzende immer der geborene Kanzlerkandidat. Ob es wirklich dazu kommen werde, werde die SPD zu gegebener Zeit entscheiden.

          Mit Platzeck setze die Partei neue Akzente. „Daß der Vorsitzende aus dem Osten kommt, ist ein Akzent an sich“, sagte Struck. Zudem werde man sich in den kommenden Jahren auf das Thema Familie konzentrieren. Die Familienpolitik steht auch im Mittelpunkt der SPD-Vorstandsklausur in Mainz, die der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann, mit einem Vortrag eröffnet.

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