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SPD : Quote mit Ypsilon

Eine Quotenfrau wollte Andrea Ypsilanti nicht sein, und doch hat ihr die Frauenquote immer wieder auf Posten geholfen Bild: dpa

Am Wochenende hat die hessische SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti davor gewarnt, die Linkspartei zu „dämonisieren“. Die Oppositionsführerin verfolgt beharrlich ihr Ziel, doch noch Ministerpräsidentin zu werden. Hilfe von Männern und Frauenquoten braucht sie dafür nicht mehr.

          Geborene Dill. Geschiedene Ypsilanti. Mit dem neuen Namen machte sie Karriere. Aber Dill passt besser zu ihr. Verschränkte Arme, misstrauischer Blick, selten ein Lächeln. Warum man jetzt noch über sie schreiben wolle, wo doch alles über ihr Leben gesagt sei? Andrea Ypsilanti sei härter geworden, sagen Weggefährten, und distanzierter. Alles Abwehr. Reflektiert, zurückhaltend, eine gute Zuhörerin - so wird sie oft beschrieben. Gerne würde man sie mal in der Freizeit erleben, sagt ein Fraktionsmitglied. Vielleicht legt sie Stress und Schminke abends ab und verwandelt sich in eine liebenswerte Frau und Mutter, die mit ihrem zwölfjährigen Sohn Fußballbilder tauscht.

          Katharina Wagner

          Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS mit Sitz in Moskau.

          In der Öffentlichkeit ist sie Andrea Ypsilanti, die starke Frau der hessischen SPD, Rächerin der sozial Enterbten. Die Rolle hat sie eine ganze Weile gut beherrscht. Die Herkunft, das „Arbeitermilieu“, der Vater, der ihr „Steine in den Weg legte“: diese Erfahrungen benutzt sie zur „biographischen Hinterlegung“ ihrer Programme. Fast in jeder Rede, in jedem Interview kommen Anekdoten aus ihrem Leben vor: Wie der Vater, der Opel-Arbeiter, seiner zweiten Tochter das Abitur nicht gönnte und sie zur Sparkasse schicken wollte. Wie nur ihre Lehrer Vater Dill überreden konnten, die begabte Andrea auf das Gymnasium gehen zu lassen. (Also doch.) Und wie sie danach, um für das Studium zu sparen, als Stewardess jobbte, sich durchbiss.

          Ein Haus mit Garten, ist das „ganz unten“?

          Wahr ist, dass Andrea Dill in Rüsselsheim-Königstädten aufwächst. Ihr Vater arbeitet bei Opel, auch das ist wahr. Aber er ist kein „einfacher Arbeiter“. Meister sei er gewesen, erzählt ein ehemaliger Kollege, „ein sehr anständiger Mann, de Kall“. Drei Mädchen hat er, die Familie wohnt in einem Haus mit Garten. Ganz unten? Da beginnt Andrea Dills Aufstieg nicht. Auch ihr Studium finanziert sie sich nicht selbst. Sie ist da schon mit Emmanuel Ypsilanti verheiratet, einem griechischen Prinzen aus verarmtem Adel, der aber gut verdient.

          Drei Jahre hält sie es bei der Lufthansa aus. Heute spricht sie von dieser Zeit mit Verachtung: Wie ungerecht es gewesen sei, dass im Cockpit drei Männer gesessen hätten, die viel mehr verdienten als die ebenso hart schuftenden Flugbegleiterinnen. So argumentiert sie heute noch, mit über fünfzig.

          Extravagante Phase

          Die Zeit mit „Manoli“, dem Frauenschwarm, mit dem sie nach der Zeit bei der Lufthansa für zwei Jahre nach Spanien geht und dort Sprachen studiert, ist die außergewöhnlichste im Leben Andrea Ypsilantis. Aber diese Extravaganz fügt sich nicht in die Rolle von heute. In kleiner Journalistenrunde antwortet sie auf die Frage, ob sie damals Prinzgemahlin oder Prinzessin gewesen sei: „Wissen Sie, da, wo ich herkomm', da bleibt man bei seinen Leisten.“

          Heute lebt Andrea Ypsilanti mit ihrem Lebensgefährten Klaus-Dieter Stork und Sohn Konstantin ein bürgerliches Leben. Sie liebt gutes Essen, Literatur, Niki de Saint-Phalle und Reisen nach Frankreich. Sie achtet auf ihr Äußeres, kocht aufwendig, trinkt - wenn überhaupt - lieber Wein als Bier. Damit das nicht zu spießig daherkommt, wird das Reihenhaus, das die drei mit der Familie von Storks Bruder in einem Frankfurter Vorort teilen, als „WG“ bezeichnet. Auch die „wilde Ehe“ von Ypsilanti und Stork soll als Alternative zum Modell lebenslanger Ehe des Biedermanns Roland Koch erscheinen.

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