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SPD-Parteitag : Schmallippig lauscht der Franz dem Kurt

  • -Aktualisiert am

Freund des Partizip Präsens: Kurt Beck Bild: REUTERS

Kurt Beck müht sich mit seiner Rede, Gerhard Schröder spielt mit den Worten, und Michael Naumann verneigt sich vor Schmidt. Szenen vom SPD-Parteitag. Aus Hamburg berichtet Günter Bannas.

          Kurt Beck müht sich mit seiner Rede, Gerhard Schröder spielt mit den Worten, und Michael Naumann verneigt sich vor Helmut Schmidt. Hamburger Szenen vom SPD-Parteitag.

          Kurt Beck I: Der SPD-Vorsitzende ist ein Freund des Partizip Präsens. Er baut komplizierte Satzkonstrukte. Er ringt mit dem Saal. Die Delegierten unterhalten sich, die Berater rollen mit den Augen. Beck sagt zu dem Außenminister: „Danke für diese Art des Arbeitens.“ Er spricht zur „Nachhaltigkeit“ in der Umweltpolitik und von der Rolle des Bodens, „der unsere Lebensmittel hergeben muss“.

          Er sagt zum Atom-Ausstieg: „An diesem Szenario wollen wir festhalten.“ Beck lässt Zwischensätze weg. Es seien Brücken zu schlagen oder noch besser zuzuschütten. Nahe bei den Menschen zu sein - „Lasst es dazu einen Schwerpunkt auf den Weg bringen.“ Sechzig Minuten geht das so. Hin und wieder raffen sich die Delegierten zum Beifall auf. „Wir haben die Gewerbesteuer wieder zu einer verlässlichen Einnahmequelle der Kommunen gemacht.“

          Kurt und Franz

          Kurt Beck II: Der SPD-Vorsitzende hat erzählt, 25 Kilometer habe er als Schüler täglich fahren müssen. Er spricht von den kleinen Leuten und davon, dass zu wenig Arbeiterkinder studieren könnten. Er ruft: „Es ist Zeit, dass Hessen wieder sozialdemokratisch regiert wird.“ Er ruft, die CSU sei von einer Partei des „Laptop und Lederhosen“ zu einer Partei von „Latex und Lederhosen“ geworden. Da lacht sogar Franz Müntefering. Die Rede gewinnt an Tempo. Die Delegierten sind entschlossen, sie gut zu finden.

          Als sie merken, sie gehe zu Ende, lassen sie die Schlussworte im Beifall untergehen. In der Sprache des Theaters: Es gibt mehrere Vorhänge. Beck zeigt sich mit den Spitzenkandidaten des nächsten Jahres. Eine gute Rede? „Über Strecken ja. Aber die Stimmung ist gut“, sagt eine Landesvorsitzende. Ein Abgeordneter bemerkt: Die Rede war gut, aber zu dicht. Dem Rhetor mag es egal sein. Beck bekommt Beifall. Er bleibt SPD-Vorsitzender. Keiner kommt gegen ihn an. 95,5 Prozent der Stimmen. Die Sitzungsleiterin ruft: „Wir haben ein supergutes Wahlergebnis.“ Müntefering gratuliert.

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          Ausschnitt aus einer Rede Gerhard Schröders zum Gedenken an Willy Brandt, gehalten am 15. Oktober: „Es ist nicht meine Sache, mich zu aktuellen Diskussionen zu äußern. Aber so viel will ich dann doch sagen: Die Agenda 2010 sind nicht die Zehn Gebote, und niemand, der daran mitgearbeitet hat, sollte sich als Moses begreifen. Er ist es nicht! Aber - und das ist doch genauso klar - die Balance, die wir in dieser Agenda gefunden haben zwischen Fordern auf der einen Seite und Fördern auf der anderen Seite, die darf nicht preisgegeben werden.“

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          Seither war spekuliert worden - und es kursierten Vermutungen um Schröders Auftritt in Hamburg. Mindestens zehn Mal sei die Rede des ehemaligen Kanzlers von Freitag auf Samstag und wieder rückwärts verschoben worden. Weil Schröder Termine hatte? Weil Beck nicht wollte, dass ihm die Show gestohlen werde? Weil Schröder auf Becks Seite stehe? Weil Schröder auf Münteferings Seite stehe?

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