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Die Regierungsriege der SPD : Überraschende SPD-Minister an Nikolaus

Wird er es, wird er es nicht? Karl Lauterbach ist es geworden. Manche jubeln. Andere nicht. Bild: Jens Gyarmaty

Die SPD legt bei der Auswahl ihrer Regierungsmitglieder Wert auf Führungserfahrung und Fachkompetenz. Allerdings gibt es nicht immer beides zusammen.

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          Von den drei Koalitionsparteien hatte die SPD sich die meiste Zeit für die Auswahl ihrer Kabinettsmitglieder gelassen. Dabei trieb vor allem eine Frage die Spannungskurve in die Höhe: Wird Lauterbach Gesundheitsminister? Der aus Funk und Fernsehen bekannte Gesundheitspolitiker hat viele Anhänger, aber auch Kritiker innerhalb und außerhalb seiner Partei. Er soll auch schon dem zukünftigen Kanzler auf die Nerven gegangen sein. Doch ist der Epidemiologe eben vom Fach; er muss sich auf dem Kamm der vierten Pandemiewelle nicht erst in die Materie einarbeiten. Allerdings wird er feststellen, dass es etwas anderes ist, ein Ministerium zu leiten, als in einer Talkshow Ratschläge zu geben.

          Die Bundeswehr ist Kummer gewohnt

          In anderen Fällen kam es Scholz und jenen in der SPD, die dabei mitreden durften, eher auf die Führungserfahrung an als auf die Fachkompetenz. Die bisherige Justiz- und Familienministerin Lambrecht, von der es geheißen hatte, sie wolle in ihren Anwaltsberuf zurückkehren, war bisher nicht dafür bekannt, sich schon intensiv mit Verteidigungs- und Sicherheitspolitik beschäftigt zu haben. Putin wird nicht darauf warten. Die Bundeswehr ist freilich Neulinge und anderen Kummer gewohnt. Auch von der Leyen und Kramp-Karrenbauer hatten nicht einmal in einem Verteidigungsausschuss gedient.

          Ein wichtiges Kriterium für die Auswahl der SPD war, wie angekündigt, das Geschlecht. Scholz hatte angekündigt, seinem Kabinett würden „mindestens“ so viele Frauen wie Männer angehören. Um dieses Versprechen zu halten, zählt er sich nun selbst nicht mit. Doch wird es erstmals eine Bundesinnenministerin geben. Mit der Berufung Nancy Faesers gelang Scholz am Nikolaustag seine größte Überraschung. Außerhalb von Hessen hat man noch nicht viel von ihr gehört.

          Wie Lambrecht muss auch sie erst zeigen, dass sie ein großes Haus in den Griff bekommt, noch dazu eines, das nicht schon so rot-grün schimmert wie das Auswärtige Amt. Wenigstens Baerbock wird sich nicht über eine unzureichende Willkommenskultur beklagen können.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

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