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SPD-Fraktion : Struck mit großer Mehrheit wieder auf dem alten Posten

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Peter Struck: Mit großer Mehrheit an die Spitze der Fraktion Bild: AP

Neuer Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion ist der bisherige Verteidigungsminister Peter Struck. Der 62 Jahre alte Struck, der dieses Amt schon von 1998 bis 2002 besetzt hatte, wurde von den SPD-Abgeordneten mit 94,03 Prozent zum Nachfolger von Franz Müntefering gewählt.

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          Neuer Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion ist der bisherige Verteidigungsminister Peter Struck. Der 62 Jahre alte Struck wurde von den SPD-Abgeordneten mit 94,03 Prozent zum Nachfolger von Franz Müntefering gewählt, der als Vizekanzler und Arbeitsminister ins Kabinett wechselt.

          Den Fraktionsvorsitz hatte Peter Struck einmal als seinen Traumjob bezeichnet. In den vergangenen Jahren war ihm als Verteidigungsminister aber auch die Bundeswehr ans Herz gewachsen. Erst habe er nicht dieses Ministerium übernehmen wollen, jetzt falle es ihm schwer, wieder zu gehen, meint Struck zu seinem Abschied.

          Vom Übergangskandidaten zum geachteten Minister

          Immerhin kennt sich der Jurist im Parlamentsbetrieb bestens aus. Seit 1980 ist er Mitglied des Bundestages und war schon einmal von 1998 bis 2002 SPD-Fraktionsvorsitzender. In dieses Amt kehrt Struck jetzt zurück. Sein Nachfolger Franz Josef Jung tritt im Ministerium ein schweres Erbe an. Als Struck 2002 den glücklos agierenden Verteidigungsminister Rudolf Scharping ablöste, wurde er eher als Übergangskandidat gehandelt.

          Doch schnell erwarb er sich Anerkennung im eigenen Haus und Respekt beim politischen Gegner. Er nahm sich viel Zeit für Besuche bei der Truppe. Das ausführliche Gespräch mit den Soldaten war fester Bestandteil jeder Begegnung. Schnell wurde klar: Die Nöte und Sorgen der Soldaten liegen dem als bodenständig geltenden Struck wirklich am Herzen. Umso schwerer fiel der Abschied.

          Kurswechsel in der deutschen Sicherheitspolitik

          Die vergangenen Woche nutzte Struck, um sich in den verschiedenen Standorten von „seinen“ Soldaten zu verabschieden. Wehmut war oft dabei. „Vergessen Sie mich nicht, ich vergesse Sie auch nicht“, sagte er oft bei seinen Besuchen.

          Trotz der großen Beliebtheit war der Job des Verteidigungsministers nicht immer einfach. Einen Aufschrei in den betroffenen Gemeinden löste beispielsweise seine Ankündigung aus, weitere Standorte zu schließen. Die Union kritisierte auch sein Vorhaben, die Zahl der Wehrpflichtigen weiter zu reduzieren. Eine reine Berufsarmee lehnte er allerdings stets ab.

          Mit seinem Ausspruch, die Sicherheit Deutschlands werde auch am Hindukusch verteidigt, machte Struck den Kurswechsel in der deutschen Sicherheitspolitik deutlich. 35 Jahre war die Bundeswehr auf reine Landesverteidigung im Rahmen der Nato ausgerichtet und ausgerüstet. Doch nach Ende des Kalten Krieges mußte sich auch die Armee umstellen. Mit dem 11. September 2001 kam die Bekämpfung des weltweiten Terrorismus als neue Aufgabe hinzu.

          Reform der Bundeswehr

          Erst Struck ging mit großer Konsequenz die längst überfällige Reform der Bundeswehr an. Unter anderem in Afghanistan, in Bosnien, im Kosovo und am Horn von Afrika sind heute Bundeswehrsoldaten auf Friedensmission.

          Einzigen Wermutstropfen seiner rund drei Jahre langen Amtszeit nennt Struck die Berichterstattung während seiner Krankheit und die damit verbundenen Nachfolgespekulationen. Im Frühsommer 2004 erlitt Struck einen leichten Schlaganfall, was von offizieller Seite bis zu seiner Genesung aber dementiert wurde.

          Bekannt auch als Obmann im Flick-Ausschuß

          Der am 24. Januar 1943 in Göttingen geborene Struck ist seit 1964 Mitglied der SPD. Nach seinem Studium promovierte Struck und arbeitete danach in verschiedenen Stationen in der Hamburger Verwaltung. Im Bundestag profilierte er sich schnell als Finanzfachmann.

          Bekannt über die Bonner Grenzen hinweg wurde der in Uelzen wohnhafte Struck als Obmann der SPD-Fraktion im Flick-Ausschuß. 1998 übernahm er mit dem Fraktionsvorsitz die schwierige Aufgabe eines Vermittlers zwischen Regierung und Parlament. Im Berliner Machtgeflecht kam Struck damit bei Reformvorhaben wie der Ökosteuer, Rentenreform oder Atomausstieg eine wichtige Rolle zu. Auch in seiner neuen Funktion wird er ein entscheidendes Scharnier bilden, das über Erfolg oder Mißerfolg der großen Koalition mitentscheiden wird.

          Struck ist verheiratet, Vater von drei Kindern und mehrfacher Großvater. Bei den regelmäßigen Motorrad-Ausfahrten des Bundestages ist Struck gern gesehener Gast.

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