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Spanien : Mindestens dreizehn Verletzte bei Eta-Anschlägen auf Hotels

  • Aktualisiert am

Hotel Bahia in Alicante: Anschlag nach Warnung Bild: AP

Bei zwei Bombenanschlägen, zu denen sich die baskische Eta bekannt hat, sind an der Costa Blanca mindestens 13 Menschen zum Teil schwer verletzt worden, darunter auch ein Deutscher.

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          Bei zwei Bombenanschlägen in den spanischen Touristenhochburgen Alicante und Benidorm an der Costa Blanca sind am Dienstag mindestens 13 Menschen zum Teil schwer verletzt worden, darunter auch ein Deutscher. Hinter den Anschlägen wird die baskische Separatistenorganisation Eta vermutet.

          Ein 24-jähriger Deutscher habe bei der Bombenexplosion in Alicante schwere Verletzungen erlitten, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Bei den beiden führenden deutschen Reisekonzernen TUI und Thomas Cook hieß es, deren Gäste seien nicht betroffen.

          Nach spanischen Polizeiangaben hatte die Extremisten-Gruppe Eta vor den Detonationen einer baskischen Zeitung eine Warnung zukommen lassen, wonach sie zwei Bomben in Hotels in Alicante und dem nahe gelegenen Touristenort Benidorm gelegt habe. Beide Städte sind auch bei deutschen Touristen sehr beliebt. Spaniens Ministerpräsident Jose Maria Aznar sagte, es sei offensichtlich, daß die Eta wie in jedem Jahr zur Sommerzeit mit Anschlägen wieder Angst schüren wolle.

          Telefonische Warnung

          Der erste Sprengsatz explodierte nach Polizeiangaben gegen Mittag in einem Hotel im Zentrum von Alicante. Fünf Anwohner eines Nachbarhauses erlitten Verletzungen. Die zweite Bombe detonierte kurz darauf in einem Hotel in Benidorm. Dort gab es vier Verletzte, darunter zwei Sprengstoffexperten der Polizei. Sie wurden schwer verletzt.

          Beide Herbergen waren nach einer telefonischen Warnung im Namen der baskischen Untergrund-Organisation geräumt worden. „Nur das schnelle Eingreifen der Polizei hat ein Massaker verhindert“, sagte der Delegierte der spanischen Regierung in der Region Valencia, Juan Cotino. Die Bomben seien früher explodiert, als von der Eta angekündigt, sagte Innenminister Angel Acebes.

          Bei den Verletzten in Benidorm handele es sich um vier Polizisten und einen Zivilisten, die leicht verletzt und nach der Behandlung im Krankenhaus nach Hause geschickt worden seien. Ein Augenzeuge in Benidorm schilderte seine Eindrücke: „Eine Menschenmenge versammelte sich, um zu sehen, was geschehen ist, nachdem plötzlich die Bombe explodierte. Es gab eine Menge Rauch, Leute liefen schreiend durcheinander und der gesamte erste Stock des Hotels Nadal verschwand". Die Eta hatte den Angaben zufolge gegen 11.00 Uhr MESZ gewarnt, die Bomben um 12.30 MESZ hoch gehen zu lassen. Wie eine Sprecherin des Bürgermeisters von Benidorm sagte, wurde die Bombe in Benidorm jedoch rund 20 Minuten früher gezündet. Die Bombe in Alicante ging offenbar zehn Minuten vor der angegebenen Zeit hoch.

          Furcht vor weiteren Anschlägen

          Die Anschläge an der Costa Blanca nähren Befürchtungen, dass die Eta in der Sommersaison weitere Anschläge an Touristenorten folgen könnten. Die Extremistenorganisation führt seit Jahren einen Untergrundkrieg für ein autonomes Baskenland im Norden Spaniens und Südwesten Frankreichs. Zuletzt hatte die Polizei Mitte des Monats eine Bombe in einem Hotel in Pamplona entschärft, die offenbar ebenfalls von der Eta gelegt worden war.

          Bei Bombenanschlägen und Schießereien der Eta wurden seit 1968 rund 841 Menschen getötet. Die Eta hat in den vergangenen Jahren neben Anschlägen im Baskenland zunehmend auch spanische Touristenorte ins Visier genommen. Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftszweig Spaniens, auf den rund zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entfallen.

          Das Auswärtige Amt weist in seinem am Montag aktualisierten Sicherheitshinweis für Spanien darauf hin, daß die Eta erst jüngst ihre Anschlagswarnungen gegen touristische Einrichtungen wiederholt habe. Spanien war im vorigen Jahr mit rund acht Millionen Pauschaltouristen beliebtestes Auslandsziel der Deutschen. Der Deutsche Reisebüro- und Reiseveranstalterverband (DRV) sprach von einer „traurigen Tradition“ der Eta. „Leider macht die Eta pünktlich zur Urlaubssaison beinahe jedes Jahr mit solchen Anschlägen von sich reden", sagte eine DRV-Sprecherin. Die Reisekonzerne TUI und Thomas Cook erklärten, ihre Gäste seien nicht betroffen. Derzeit gebe auch keine Überlegungen, auf Grund der Anschläge Gäste von der Costa Blanca zurückzuholen.

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