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Sozialhilfe in New York : Die Hauptstadt der Nicht-Coucher

Annika Holder (links) begrüßt die Bewerber beim „Parks Opportunity Program” Bild:

Wer in New York Sozialhilfe will, wird sofort zum Arbeiten geschickt. Grund genug für Vertreter hessischer Kommunen, sich von einem Holländer durch Brooklyn und Queens führen zu lassen. Aber was lernt man im Central Park für den deutschen Odenwald?

          Die Botschaft für die Neuen besteht aus zwei Teilen: „Herzlich willkommen! Wir freuen uns, dass Sie für uns arbeiten“, wird an jedem Werktag zwanzig bis vierzig New Yorkern entgegengerufen, die gerade die Einstellungsformalitäten beim „Parks and Recreation Department“ hinter sich gebracht haben. Die Ermahnung folgt sogleich: „Denken Sie aber daran: Die Uhr tickt. Sie haben nur sechs Monate Zeit, einen richtigen Job zu finden.“

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Wer deshalb glaubt, so richtig zur Sache gehe es beim Grünflächenamt der Weltmetropole noch nicht, liegt falsch. Nicht nur der Central Park in Manhattan muss „grün, sauber und sicher“ bleiben. Verkehrsinseln und Grünstreifen, Spielplätze und Kleinwälder, sogar Strände sind zu pflegen, zusammen ein Fünftel des Stadtgebiets. Sollen die „Park Inspectors“ nichts zu beanstanden finden, dann müssen die Arbeiter nicht nur Glasscherben auflesen, Treppen vom Schnee räumen, abgewetzte Schaukelketten austauschen oder sturmgeschädigte Bäume stutzen, sondern nach den Leitlinien in ihrer Overalltasche sogar „jedes Graffiti, das vor zehn Uhr morgens gemeldet wird, bis zur Mittagsstunde beseitigen“.

          Wer sich nicht fügt, bekommt gar kein Geld

          Derlei Arbeit ist weder gemütlich noch völlig anspruchslos. Trotzdem werden den Vorarbeitern immerzu neue Leute zugeteilt, überwiegend alleinerziehende Mütter, fast alle schwarz oder lateinamerikanischer Abstammung, mehr als die Hälfte ohne Schulabschluss, ein Gutteil stark übergewichtig – größtenteils Arbeiter, deren Lebensläufe nicht eben schnurgerade auf eine Vollzeittätigkeit im Dienste der städtischen Ordnung hingeführt haben. Und von denen erwartet wird, dass sie die neue Arbeit so schnell wie möglich zugunsten einer anderen Stelle aufgeben.

          Die Akzeptierten werden später ausgebildet

          Denn das Parks Department zählt zu den größten Trägern von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in Amerika. Wer sich hier bewirbt, ist vom Arbeitsamt geschickt worden. Wer sich nicht fügt, bekommt gar kein Geld mehr, allenfalls Lebensmittelmarken. Wer nicht in sechs Monaten den Absprung in den „ersten“ Arbeitsmarkt schafft, hat kaum bessere Aussichten.

          Um das zu verhindern, hat das Grünflächenamt freilich Dutzende Laufbahnberater, Lehrer und Ausbilder eingestellt. Sie nehmen die Vermittlung schon deshalb ernst, weil auch ihre Zukunft davon abhängt: Je länger einer ihrer „Kunden“ später seine Stelle behält, desto mehr Geld bekommt das Parks Department aus dem Stadthaushalt. Schon die Schulungsräume im Stadtteil Queens zeigen, dass die Sache bisher gut läuft. Hier werden die Neuen zunächst zwei Wochen lang in bestens ausgestatteten Klassenzimmern unterrichtet. Der Lehrstoff reicht von gesunder Lebensführung („Wir reden sogar über ,safer sex‘, denn auch Aids ist ein Arbeitsmarkthindernis“) bis Internet („In dieser Stadt muss man sich schon für den Kassiererjob im Drogeriemarkt online bewerben“).

          „Das ist halt unser Job“

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