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: "Soziales Frühwarnsystem" für Kinder

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holl. FRANKFURT, 3. November. Bundesfamilienministerin von der Leyen (CDU) will mit einem "sozialen Frühwarnsystem" Fälle wie den des tot aufgefundenen Bremer Jungen Kevin künftig verhindern. Sie warnte ...

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          holl. FRANKFURT, 3. November. Bundesfamilienministerin von der Leyen (CDU) will mit einem "sozialen Frühwarnsystem" Fälle wie den des tot aufgefundenen Bremer Jungen Kevin künftig verhindern. Sie warnte zugleich aber vor politischem Aktionismus: "Wir haben ein gutes Regelsystem." Doch die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Behörden und Betreuern müsse verbessert werden, um die Risiken für Mißhandlung und Verwahrlosung von Kindern früher zu erkennen. Die Ministerin stellte am Freitag als Beispiel für ein "Frühwarnsystem" zwei von der Bundesregierung mit zehn Millionen Euro geförderte Modellprojekte vor, mit denen in den Kommunen das Gesundheitssystem enger mit der Kinder- und Jugendhilfe verzahnt werden sollen.

          Der Bund fördert das Gemeinschaftsprojekt "Guter Start ins Kinderleben", das von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Bayern und Thüringen entwickelt wurde. Ziel des Projektes, das von der Universität Ulm wissenschaftlich begleitet wird, sei die systematische Vernetzung vorhandener Angebote der Jugend- und Gesundheitshilfe. Bei der Definition von Risiken für ein gefährdetes Kind solle "eine gemeinsame Sprache" zwischen Gesundheitsfachleuten und Sozialpädagogen entwickelt werden. Zudem würden Eltern, die unter belastenden Bedingungen lebten, speziell geschult. In einzelnen Bundesländern sollen unterschiedliche Risikogruppen beobachtet werden. In Baden-Württemberg seien dies sehr junge und psychisch kranke Mütter, in Rheinland-Pfalz Einwandererfamilien.

          Als zweites Modellvorhaben unterstützt die Familienministerin in Niedersachsen das Projekt "Pro Kind." Das von dem Kriminologen und früheren niedersächsischen Justizminister Pfeiffer (SPD) entwickelte Projekt setzt auf die gesundheitliche Prävention schon während der Schwangerschaft. Erstgebärende Schwangere, die sich in einer sozialen Problemlage befinden, die minderjährig sind, keine Ausbildung oder Gewalt in der Familie erlebt haben, sollen gezielt begleitet werden. Mütter, die von "Pro Kind" unterstützt werden, erhalten eine regelmäßige Betreuung zu Hause durch eine Familienhebamme oder Sozialpädagogin.

          Forderungen einzelner Länder nach bundesweiten Vorschriften für ärztliche Pflichtvorsorgeuntersuchungen wies die Ministerin zurück. Frau von der Leyen unterstützte aber eine Bundesratsinitiative, daß zu den von der Krankenkasse bezahlten Vorsorgechecks nachdrücklich eingeladen und daß bei Nichterscheinen auch nachgehakt werden soll. Insgesamt werden nach Angaben der Ministerin jedes Jahr etwa 2900 Fälle krimineller Vernachläßigung oder Mißhandlung von Kindern bekannt. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef sterben in Deutschland jeden Tag zwei Kinder an den Folgen von Vernachlässigung oder Mißhandlung.

          Unterdessen nahm der Untersuchungsausschuß in der Bremischen Bürgerschaft zur Aufklärung des Falls Kevin seine Arbeit auf. Unter anderem legte der Ausschuß fest, welche Akten er auswerten will. Spätestens Anfang 2007 Jahres wollen die sechs Abgeordneten die ersten Zeugen hören. Die Arbeit muß bis April 2007 abgeschlossen sein, weil am 13. Mai die neue Bürgerschaft gewählt wird.

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