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Cyberangriffe : Hackt Russland Trump zum Präsidenten?

Hackerangriffs zu Clintons Lasten: Demonstranten machen in Philadelphia ihrem Unmut Luft über die Benachteiligung von Bernie Sandersdurch das „Democratic National Comittee“ (DNC) Bild: AP

In Amerika wächst die Sorge, dass Russland den Präsidentschaftswahlkampf mit Cyberangriffen manipulieren und die Vereinigten Staaten außenpolitisch lähmen könnte. Der Wahltag gilt als das geringste Problem.

          Als der Ost-West-Konflikt gerade vorbei war und das Internet zu laufen begann, machte in Washington ein neuer Begriff die Runde. Der „Cyberkrieg“, schrieben Militärplaner Anfang der 90er Jahre in ihren Analysen, werde herkömmliche Konflikte ablösen. Schlanke, hochtechnisierte Einheiten mit besatzungslosen Panzern und Killer-Robotern sollten das postmoderne Schlachtfeld prägen. Das war der Anfang. Später hieß es, die Ausschaltung gegnerischer Kommunikationssysteme könne den Feind im Idealfall eines Tages in die Knie zwingen, bevor der erste Schuss gefallen sei. Amerika werde seine Gegner beherrschen können, ohne eigene Soldaten zu gefährden. Die Idee vom „Cyberkrieg“ war geboren.

          Es ist vieles anders gekommen als angenommen. Eine pax americana gibt es nicht, das Verhältnis zwischen Amerika und Russland ist wieder frostig. Konflikte werden weiterhin konventionell ausgetragen. Zugleich aber ist der Cyberspace zu einem noch viel wirkmächtigeren Operationsraum geworden als vor einem Vierteljahrhundert angenommen, mit dem Potential, die Fundamente der internationalen Politik zu verändern – bis hin zu den amerikanischen Präsidentschaftswahlen.

          In Amerika wächst die Sorge, dass Cyberangriffe dazu missbraucht werden könnten, den Ausgang des Präsidentschaftswahlkampfs zu manipulieren und die Vereinigten Staaten außenpolitisch zu lähmen. Vorgetragen werden diese Ängste nicht nur von Politikern an der Ostküste. Auch im Silicon Valley, wo die Befürworter des digitalen Fortschritts traditionell dominieren, warnten jüngst auf einem Cybergipfel der Münchner Sicherheitskonferenz und der Deutschen Telekom Technologiefachleute vor der Verwundbarkeit des Landes.

          Anschauungsmaterial gab es in den vergangenen Monaten genug. Kurz vor dem Nominierungsparteitag der Demokraten im Juli dieses Jahres veröffentlichte die Enthüllungsplattform Wikileaks knapp 20 000 E-Mails, die Hacker bei einem digitalen Einbruch in die Server des „Democratic National Commitee“ (DNC) erbeutet hatten. Dabei war herausgekommen, dass die Führung der demokratischen Partei vorzeitig Hillary Clinton gegenüber ihrem Rivalen Bernie Sanders den Vorzug gegeben hatte, obwohl sie eigentlich zur Neutralität verpflichtet war. Clintons Ansehen wurde beschädigt.

          Was braucht es, um einen Präsidenten zu verhindern? Hillary Clinton bei der ersten TV-Debatte mit Donald Trump auf Monitoren des Pressezentrums an der Hofstra University

          Ende August dann griffen Hacker die Wähler-Datenbanken der Bundesstaaten Arizona und Illinois an. Während in Arizona der Angriff rechtzeitig entdeckt und abgewehrt werden konnte, kopierten die Angreifer aus dem Netzwerk der Registrierungsbehörde in Illinois die Daten von 200 000 registrierten Wählern, inklusive ihrer Namen, Geburtsdaten und Parteipräferenzen. Das schürte die Sorge der Amerikaner. Laut einer jüngeren Umfrage geht mittlerweile jeder Dritte davon aus, dass die Wahlen im November manipuliert werden könnten. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump, der aus seiner Sympathie für Wladimir Putin keinen Hehl macht, lud Russland zu weiterem Datendiebstahl in den Vereinigten Staaten ein. Natürlich, um Clinton zu schaden. Das sorgte für zusätzliche Unruhe.

          Im Falle des DNC-Hacks identifizierte die kalifornische Firma „CrowdStrike“ zwei russische Hackergruppen als Angreifer. Zwei Mitbewerber kamen danach zu demselben Ergebnis, ebenso Wissenschaftler wie der Deutsche Thomas Rid. „CrowdStrike“- Mitgründer Dmitri Alperovitch sagte dieser Zeitung, man sei sich aufgrund der Handlungsmuster sicher, dass auch bei den Netzwerkangriffen in Arizona und Illinois aus Russland die Fäden gezogen wurden.

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