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Südsudan : UN-Bericht: Mädchen bei lebendigem Leib verbrannt

  • -Aktualisiert am

Soldaten in Südsudan: Der junge Staat versinkt seit 2013 im Chaos. Bild: AFP

Laut einem Bericht der UN-Mission in Südsudan haben Soldaten des jungen Staates unvorstellbare Greueltaten begangen: Sie sollen Mädchen und Frauen vergewaltigt und dann verbrannt haben.

          Dass der Bürgerkrieg in Südsudan von unglaublicher Brutalität gegen Zivilisten geprägt ist, ist eine traurige Tatsache. Aber wenn es stimmt, was die UN-Mission für Südsudan (United Nation Mission for South Sudan – UNMISS) behauptet, kennt die Barbarei im jüngsten Staat der Welt offenbar überhaupt keine Grenzen. Die Blauhelme unterstellen den südsudanesischen Soldaten und einer mit ihnen verbündeten Miliz, im April zahlreiche Frauen und Mädchen nicht nur vergewaltigt, sondern einige von ihnen auch bei lebendigem Leib verbrannt zu haben. Die UN-Ermittler berufen sich dabei auf Aussagen von Überlebenden. „Das Ausmaß der Grausamkeit zeigt, wie tief der Hass sitzt, der über politische Differenzen weit hinausgeht“, heißt es in dem am Dienstag vorgestellten Bericht.

          Das erst 2011 unabhängig gewordene Land versinkt seit Ende 2013 im Chaos. Damals hatte der ehemalige stellvertretende Präsident Riek Machar versucht, gegen Staatschef Salva Kiir zu putschen. Die Hintergründe waren offensichtlich: Wenige Monate zuvor hatte Machar angekündigt, bei den kommenden Wahlen gegen Kiir anzutreten, woraufhin er als Kiirs Stellvertreter entlassen worden war. Doch dahinter verbarg sich nicht zuletzt der Frust der Volksgruppe der Nuer über die Volksgruppe der Dinka, die das ölreiche Land seit seiner Unabhängigkeit von Sudan regelrecht unter sich aufgeteilt haben. Machar ist ein Nuer, Kiir ein Dinka.

          Es geht um Geld

          Kiir ist der Nachfolger des schon legendären südsudanesischen Rebellenführers John Garang, allerdings ohne dessen Intellekt. Machar wiederum ist eine der übelsten Figuren aus dem Krieg der Südsudanesen gegen das Regime in Khartum, der nach mehr als zwei Jahrzehnten 2005 endete. Machar hatte sich 1997 von der südsudanesischen Rebellion losgesagt, war fortan im Dienste Khartums in den Krieg gezogen und hatte dabei voll auf die ethnische Rivalität zwischen den Nuer, der zweitgrößten Bevölkerungsgruppe, und den Dinka, der größten Gruppe, gesetzt. Machar ist für die brutalsten Massaker an Zivilisten in dieser Zeit verantwortlich. 2002 aber hatte er wieder die Seiten gewechselt, weil ihm ein Regierungsposten versprochen worden war, sollte das Land unabhängig werden. Das war der Preis, den Garang damals zu zahlen bereit gewesen war für einen Frieden mit den Nuer.

          Garang starb kurz vor der Unabhängigkeit Südsudans im Jahr 2005 bei einem Hubschrauberabsturz. Sein Nachfolger Kiir wurde zum ersten Präsidenten des jüngsten Staates der Welt gewählt und verwechselt seither Demokratie mit Kadavergehorsam. Verdiente Kader der ehemaligen Rebellenbewegung „Sudan People's Liberation Army“ (SPLA) haben alle lukrativen Märkte unter sich aufgeteilt. Sie gehören nahezu alle der Ethnie der Dinka an. Seit dem gescheiterten Putschversuch fallen die Nuer über die Dinka her und umgekehrt. Es geht um Geld.

          Die Vorfälle, auf die sich der UN-Bericht bezieht, sollen sich im April im Bundesstaat Unity an der Grenze zu Sudan ereignet haben. Dort liegt die Stadt Leer, aus der Machar stammt. Leer soll inzwischen von Regierungstruppen weitgehend zerstört worden sein. Doch die so genannten Rebellen von Machar stehen den Regierungstruppen an Grausamkeit in nichts nach. Im Bundesstaat Blue Nile haben sie ganze von Dinka bewohnte Städte niedergebrannt und die Bevölkerung massakriert.

          Zwei Millionen Menschen sind seit Ausbruch des Krieges zu Flüchtlingen geworden. Die Zahl der Todesopfer ist unbekannt, weil die umkämpften Gebiete nicht zugänglich sind. Selbst die stets unerschrockene Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ hat im Bundesstaat Unity die Arbeit eingestellt und ihr Personal abgezogen. Es war einfach zu gefährlich.

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