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Soldat Gilad Schalit : Hamas kündigt Freilassung an

Bald auf freiem Fuß? Archivfoto Gilad Schalits des israelischen Fernsehens von 2009 Bild: REUTERS

Der vor mehr als fünf Jahren entführte israelische Soldat Gilad Schalit könnte bald freigelassen werden. Die Hamas kündigte an, dass Israel im Gegenzug tausend palästinensische Gefangene auf freien Fuß gesetzt werden sollen.

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          Die Hamas hat die Freilassung des entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit angekündigt. In einer Fernsehansprache sagte Hamas-Politbürochef Khaled Meschaal am Dienstagabend in Damaskus, im Gegenzug werde Israel rund tausend palästinensische Gefangene auf freien Fuß setzen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          In Gaza-Stadt feierten jubelnde Menschen den bevorstehenden Gefangenenaustausch. Der israelische Ministerpräsident Netanjahu sagte am Abend, der im Juni vor fünf Jahren nach Gaza verschleppte Soldat werde in den nächsten Tagen freikommen. Darüber habe er am Dienstag dessen Eltern informiert.

          Am Abend lud Netanjahu alle 29 Mitglieder zu einer kurzfristig anberaumten Sondersitzung des Kabinetts ein. „Das würde er nicht tun, wenn kein ernsthafter Vorschlag vorläge“, hieß es aus der Regierung. Eine Abstimmung des Ministerrats über einen Gefangenenaustausch mit der Hamas wurde nicht ausgeschlossen.

          „Es ist das beste Abkommen, das wir in diesen stürmischen Zeiten im Nahen Osten erzielen konnten“, sagte Netanjahu laut Agenturberichten. In Gaza-Stadt teilte ein Sprecher des militärischen Arms der Hamas mit, es würden nur noch die „technischen Einzelheiten“ einer Übergabe geklärt. Die Mitteilung von Abu Obeida hat besonderes Gewicht, da der militärische Arm der Hamas Schalit in seiner Gewalt hält.

          Auch Vermittler des BND helfen mit

          Nach Informationen arabischer Nachrichtensender hatte Ägypten den Austausch vermittelt. Eine ranghohe Hamas-Delegation unter Leitung des früheren Außenministers Mahmud Zahar soll sich seit Montagabend in Kairo aufhalten. In den vergangenen Tagen war zudem berichtet worden, dass ein Vermittler des Bundesnachrichtendienstes (BND) in dieser Angelegenheit in die ägyptische Hauptstadt gereist war.

          Netanjahu sagte am Abend in Jerusalem, die Einzelheiten des Austausches seien zuletzt in Kairo unter ägyptischer Vermittlung vereinbart worden. Er dankte dabei auch dem deutschen Unterhändler sowie Bundeskanzlerin Merkel für ihre Unterstützung. Auch Hamas-Führer Meschaal dankte Ägypten, Deutschland sowie Qatar und der Türkei für ihre Vermittlungsdienste.

          Die Hamas könnte Schalit an Ägypten übergeben

          Nach den bisherigen Angaben sollen im Austausch für Schalit mehr als tausend palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen auf freien Fuß gesetzt werden – in einem ersten Schritt könnten es bis zu 450 sein. Danach könnte die Hamas Schalit an Ägypten übergeben. Die Hamas hatte verlangt, auch Gefangene freizulassen, die an Anschlägen auf Israelis beteiligt gewesen waren.

          Immer wieder wurde dabei auch der Name des Fatah-Führers Marwan Barguti genannt. In der Vergangenheit waren jedoch schon mehrere Abkommen über einen Austausch am Streit über Namen und Anzahl der palästinensischen Häftlinge gescheitert, deren Freilassung die Hamas verlangt hatte. Der heute 25 Jahre alte Gilad Schalit war am 25. Juni 2006 von Terroristen an der Grenze zum Gazastreifen verschleppt worden.

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