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Wie funktioniert Wahlkampf? : Herr Stader will endlich Berufspolitiker werden

Wahlkreiskandidat Stefan Stader beim Nachbarschaftstreff im sachsen-anhaltinischen Wittenberg. Bei Bürgergesprächen kommen alle Sorgen auf den Tisch, auch die, die nichts mit Bundespolitik zu tun haben. Bild: Jens Gyarmaty

Politiker haben kein gutes Image. Stefan Stader will trotzdem in den Bundestag, nachdem er lange anderen Politikern zugearbeitet hat. Wie will er das schaffen – und: Warum tut er sich das an, erst recht in einer AfD-Hochburg?

          Mehr als 40 Jahre hat Stefan Stader für andere Politiker geackert. Er hat sich die Beine an Wahlkampfständen in den Bauch gestanden, bei Wind und Regen Plakate an lauten Ausfallstraßen geklebt, hat Kneipenbesuche organisiert und ist durch Wohngebiete gezogen, um Wahlkampfzeitungen in Briefkästen zu stopfen, hat an Samstagen schüchternen Kandidaten beigebracht, wie sie beherzt mit einer Blume und einem Flyer in der Hand auf mögliche Wähler zugehen. Alles für den Erfolg der Kandidaten und der Partei. Er selbst blieb stets im Hintergrund. Loyale Zuarbeit, die ihm gedankt wird? Stader sagt nicht viel dazu, nur: „Ich werde in diesem Jahr 60, und jetzt will ich es selbst wissen.“

          Im September 2017 ist Bundestagswahl, und Stader tritt zum ersten Mal in seinem Leben selbst an – als Direktkandidat der SPD in Sachsen-Anhalt. Das Bundesland ist für seine Partei derzeit schwieriges Pflaster, sein Wahlkreis Dessau-Wittenberg ist da keine Ausnahme: Bei der letzten Landtagswahl schafften die Sozialdemokraten nur knapp ein zweistelliges Ergebnis, ein Desaster. Die AfD kam aus dem Stand auf mehr als 23 Prozent und holte etliche Direktmandate – auch auf Kosten der SPD.

          Politiker haben einen schlechten Ruf

          Ein Grund: Politiker, sofern sie zum „Establishment“ zählen, haben einen schlechten Ruf. Manche werden beschimpft, andere sogar körperlich angegriffen. In Sachsen-Anhalt sind für 2016 57 Fälle bekannt, bei denen Politiker oder deren Mitarbeiter bedroht oder attackiert wurden, beschädigte Wahlkreisbüros nicht eingerechnet. Umfragen zeigen, dass das Image von Bundespolitikern meist noch negativer ausfällt als das lokaler Amts- und Mandatsträger. Wer will sich das freiwillig antun? Den Stress, den Ärger und die Kosten für den Wahlkampf? Und dann für eine Partei, die in Sachsen-Anhalt trotz Schulz kaum ein Bein auf den Boden bekommt? Wer hier antritt, mag das Risiko, hat nichts zu verlieren, hätte woanders keine Chance bekommen – oder folgt ganz anderen Motiven.

          Bei Stader dürfte alles anteilig zutreffen. Seine Biografie wirkt sehr sozialdemokratisch, aber auf den ersten Blick ist sie nicht gerade geeignet für diesen Landstrich. Aufgewachsen ist er in Mönchengladbach. Nach dem Hauptschulabschluss, einer Lehre als Elektroinstallateur und nachgeholtem Abitur studierte er in Bonn Katholische Theologie, ohne Abschluss. Für die evangelische Hochburg Wittenberg, Ausgangsort der Reformation, eine illustre Mischung. „Meine Herkunft aus dem Westen hat mir hier nicht geschadet“, sagt Stader, der sich bei der Kandidatenkür gegen einen Bewerber aus der Region durchsetzte. Dass er kein Einheimischer ist, spielt aber dennoch eine Rolle im Wahlkampf.  

          Der Politikerjob kann auch Anerkennung bringen

          Stader hat sich Urlaub genommen. Er arbeitet als Büroleiter eines Bundestagsabgeordneten in Berlin. Seit 2002 macht er den Job, der nicht einfach ist: Erfolge werden meist dem Mandatsträger zugerechnet, Misserfolge den Angestellten. Sonderurlaub bekommt er nicht. Der Wahlkampf findet in seiner Freizeit statt, die Fahrten mit dem Zug zwischen seinem Berliner Heimatkiez Wilmersdorf und dem Wahlkreis bezahlt er aus eigener Tasche. Kosten und Nutzen rechnet er aber nicht auf. Nach Jahren der treuen Zuarbeit in einem Bundestagsbüro hofft er auf eine andere Währung – auf Anerkennung. Er will endlich sichtbar sein.

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