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Slobodan Milosevic : Der Machterhalt als einziges Ziel

  • Aktualisiert am

Bild: DPA

Über Slobodan Milosevic ist oft gesagt worden, sein Lebensziel sei es gewesen, im alten Jugoslawien ein Groß-Serbien zu schaffen. Doch sein eigentliches politisches Lebenswerk hieß eher: Groß-Milosevic, Machterhalt um jeden Preis.

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          Über Slobodan Milosevic ist oft gesagt worden, sein Lebensziel sei es gewesen, auf dem Territorium des alten Jugoslawiens ein Groß-Serbien zu schaffen. Tatsächlich hat er eine Weile die serbischen Eroberungs- und Vertreibungskriege in Kroatien und Bosnien-Hercegovina, deren erklärtes Ziel die Vereinigung aller Serben in einem minderheitenfreien Siedlungsgebiet war, betrieben oder unterstützt.

          Doch rückte er sofort von dieser verbrecherischen Politik ab, als sie sein eigentliches politisches Lebenswerk zu gefährden begann, denn das hieß eher: Groß-Milosevic, Machterhalt um jeden Preis. Noch Ende der achtziger Jahre, als kommunistischer Funktionär, hatte er den serbischen Nationalismus als „Schlange an der Brust des serbischen Volkes“ bezeichnet. Erst als er erkannte, daß er auf der nationalistischen Welle zur Macht reiten konnte, übernahm er die großserbische Rhetorik.

          Operation „Oluja“

          Deshalb sind viele der wirklichen serbischen Nationalisten schon zu Beginn der neunziger Jahre von Milosevic abgerückt. Endgültig enttäuschte er sie Anfang August 1995: Damals begann die kroatische Armee die Operation „Oluja“ (Gewitter, Sturm), bei der sie in wenigen Tagen die Existenz der von Serben auf dem Territorium Kroatiens mit Gewalt errichteten „Republik Serbische Krajina“ beendete. Zehntausend Serben flüchteten.

          Hätte Belgrad damals, wie von den Nationalisten um den serbischen Radikalenführer Vojislav Seselj gefordert, die eigene Militärmaschinerie zur Verteidigung der eroberten Gebiete in Gang gesetzt, hätte die serbische Freischärlerrepublik in Kroatien wohl gehalten werden können - aber Milosevic rührte keinen Finger. Denn der pragmatische Taktierer konnte sich ausrechnen, daß er damit früher oder später ein direktes Eingreifen des Westens provoziert und so seine eigene Machtposition gefährdet hätte.

          Vermeintlicher Partner des Westens

          Unter dem Druck des Wirtschaftsembargos sowie wachsender wirtschaftlicher Unzufriedenheit und Kriegsmüdigkeit zu Hause wandelte Milosevic sich auch in der Bosnien-Frage zum „Friedensstifter“ und wurde zu einem - wieder nur vermeintlichen - Partner des Westens. Er ließ das Projekt Groß-Serbien fallen und setzte die bosnischen Serbenführer um Radovan Karadzic unter Druck, eine Verhandlungslösung zu akzeptieren. Da sich die militärischen Kräfteverhältnisse langsam zuungunsten der Serben verschoben, war Nachgeben auch geboten, um wenigstens einen Teil der serbischen Eroberungen in Bosnien-Hercegovina noch zu retten.

          Als dieser Kurs 1998 dennoch nicht ankam beim Volk und den echten Nationalisten vom Schlage Seseljs Auftrieb verlieh, schwenkte Milosevic freilich rasch wieder auf eine blutige Politik um - diesmal im Kosovo, wo er die Albaner systematisch drangsalierte und zu vertreiben begann. Wieder war es der schrankenlose Machthunger, der ihn, ein 1941 geborenes Kind von nach Serbien zugewanderten montenegrinischen Eltern, die beide Selbstmord begingen, dabei leitete.

          Doch wieder irrte Milosevic

          Er scheute nun selbst einen Konflikt mit dem mächtigsten Militärbündnis der Welt nicht mehr. Doch bei seinem Kräftemessen mit der Nato verrechnete er sich. Womöglich hatten ihn die damaligen Ereignisse im Irak zur Selbstüberschätzung geführt: Im Dezember 1998 hatte Saddam Hussein die UN-Waffeninspektoren seines Landes verwiesen und die folgenden, wenige Tage dauernden Luftangriffe der Briten und Amerikaner mühelos überstanden.

          Drei Monate später, nach den letzten gescheiterten Verhandlungen zum Kosovo-Konflikt im März 1999, begann die Bombardierung Jugoslawiens. Die Belgrader Führung war überzeugt, die Angriffe würden nach wenigen Tagen wieder eingestellt werden, wie es Milosevics Frau Mira Markovic später einmal zugab. Doch wieder irrte Milosevic.

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