https://www.faz.net/-gpf-8n0zs

Skandal um Datenschnüffler : Mozilla löscht „Web of Trust“-Erweiterung

„Diese Seite wurde leider nicht gefunden“ - Das Add-on wurde entfernt. Bild: mozilla.net

Die Mozilla Foundation hat auf den Skandal um das Firefox-Add-on „Web of Trust“ reagiert. Man vermutet eine Verletzung der Richtlinien – und wirft das Tool von seiner Seite.

          2 Min.

          Die Mozilla Foundation hat das umstrittene Add-on „Web of Trust“ (WOT) für seinen populären Browser Firefox von der Website entfernt. Kurz zuvor, am Donnerstagnachmittag, hatte die F.A.Z. Mozilla mit der Frage konfrontiert, warum WOT noch immer verfügbar ist, obwohl mehrere Berichte des NDR erhebliche Datenschutzlücken aufgedeckt hatten.

          Stefan Tomik
          Redakteur in der Politik.

          Am Donerstag teilte die Mozilla-Stiftung der F.A.Z. mit: „Mozilla entfernt Browser-Erweiterungen, wenn wir feststellen, dass Erweiterungen unsere Richtlinien für Add-ons verletzen. Wir haben Beschwerden über ‚Web of Trust‘ erhalten, die damit zusammenhängen, wie transparent das Add-on arbeitet.“ Man habe schließlich entschieden, „dass das Add-on diese Richtlinien verletzt“. Deshalb sei es aus der Download-Kollektion entfernt worden, „bis der Hersteller diese Dinge korrigiert“. Der Bann gilt für alle Add-on-Kollektionen weltweit.

          Alte Datenschutzbestimmungen

          Die entsprechende Seite ist nun nicht mehr erreichbar. Bis zur Sperrung am Donnerstagnachmittag wurde das Add-on laut Angaben von Mozilla dort mehr als 900.000 Mal heruntergeladen. Es wurde in höchsten Tönen beworben: „Finden Sie heraus, welchen Websites Sie trauen können“, verspricht der Programmierer. Doch das Add-on sammelt im Hintergrund jede Menge Daten und leitet sie an einen Server aus.

          Der Hersteller, die finnische Firma WOT Services Oy mit Sitz in Helsinki, hat unterdessen eingestanden, dass die auf der Mozilla-Seite bis zuletzt angezeigten Datenschutzbestimmungen veraltet waren. Auf Anfrage teilte die Firma der F.A.Z. mit, die Datenschutzrichtlinie sei im Juli aktualisiert worden mit der Absicht, sie auf allen Plattformen und Browsern bekannt zu machen, über die das WOT-Add-on bezogen werden kann. „Versehentlich geschah das nicht, wie beabsichtigt, für die Mozilla/Firefox-Version.“

          Die neue Version der Datenschutzbestimmungen, die auf der Website des Unternehmens zu sehen ist, beschreibt die Datensammlung des Tools genauer als die alte, die vom Dezember 2015 datiert. Unter anderem wird in der neuen explizit erwähnt, dass auch „Ihre IP-Adresse, Ihr Standort (zum Beispiel Frankreich, Kanada etc.), der Typ des Gerätes, genutztes Betriebssystem und Browser“ ermittelt und übertragen werden. „Obwohl die vorherige Version korrekt ist und im Grunde unsere Datensammlung und –verwendung und verwandte Angelegenheiten beschreibt, wollen wir natürlich dieselbe, neue Datenschutzrichtlinie auf allen Plattformen haben“, teilte das Unternehmen der F.A.Z. mit. Man wolle dieses Problem nun beheben.

          Ungeachtet dessen versichern alle Versionen des Dokumentes, dass Daten vor der Weitergabe an Dritte anonymisiert würden. Die Recherchen des NDR legen im Gegenteil nahe, dass das nicht oder nur unvollständig geschehen ist.

          Weitere Themen

          Scholz gewinnt nach Blitzumfrage drittes TV-Triell Video-Seite öffnen

          Wahlkampf : Scholz gewinnt nach Blitzumfrage drittes TV-Triell

          Eine Woche vor der Bundestagswahl haben die SPD und die Grünen betont, gemeinsam eine Regierung bilden zu wollen. SPD-Kandidat Olaf Scholz hat nach einer Forsa-Blitzumfrage für ProSieben/Sat1 auch das dritte Triell gewonnen.

          Topmeldungen

          Olaf Scholz, Annalena Baerbock, Armin Laschet am Sonntagabend im Fernsehstudio von ProSieben und Sat.1. Nicht im Bild: Micky Maus.

          Die drei Trielle : Politik im Comic-Format

          Erfährt man in den Triellen wirklich, wer vertrauenswürdig, wer wählbar, wer kanzlertauglich ist? Nicht ansatzweise. Man erfährt nur, welches Zirkuspferd sein Wahlprogramm am besten verkauft.

          Post-Ost-Generation : Baby, für dich bin ich Russland!

          Unter jungen Russlanddeutschen brodelt es. Ihre Eltern und Großeltern wollten meistens schweigen. Die Kinder aber machen ihre Geschichte sichtbar – auch, wenn das Wunden aufreißt.
          Mike Pence im Juli in Washington

          Republikaner in Amerika : Will Mike Pence Präsident werden?

          Donald Trumps ehemaliger Vizepräsident tourt durch das Land und macht Wahlkampf für republikanische Kongresskandidaten – und wohl auch für sich selbst. Er könnte bei den Vorwahlen 2024 antreten.
          Um auch nach dem frühen Verlust eines Elternteils eine Erinnerung an Mama oder Papa zu haben, gibt es das Angebot des Hörbuchs für die Kinder.

          Todkranke Eltern : Fünfzig Kapitel Lachen

          Wenn Erwachsene unheilbar erkranken, wünscht man sich die Zeit anhalten zu können. Nun ist das beinahe möglich. Eltern können ihren Kinder etwas hinterlassen: eine Audiobiographie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.