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„Situativ zugespitzte Äußerungen“ : Kardinal Lehmann bedauert Getto-Vergleich

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Kardinal Lehmann Bild: dpa

Kardinal Lehmann hat sein Bedauern über „einen Missklang“ nach dem Besuch von Bischöfen an der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ausgedrückt. Die Kritik einiger Bischöfe am israelischen Vorgehen gegenüber den Palästinensern sei „nicht angemessen“.

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          Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann, hat die umstrittene Kritik deutscher katholischer Bischöfe an der israelischen Politik in den Palästinensergebieten bedauert. „Die Gefühle der Überlebenden der Schoa oder der jüdischen Bevölkerung in Israel zu verletzen war zweifelsfrei niemandes Absicht“, schrieb er in einem Brief an den Leiter der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, Schalev. Einige Bischöfe hatten auf einer Nahost-Pilgerreise die Lebenssituation von Palästinensern in den Autonomiegebieten mit der von Juden in Gettos während des Zweiten Weltkriegs verglichen.

          Unabhängig von der Situation der Palästinenser gehe es nicht an, so Lehmann am Mittwoch, „heutige Problemlagen oder Situationen des Unrechts in irgendeiner Weise mit dem nationalsozialistischen Massenmord an den Juden in Verbindung zu bringen“. Dass eine Äußerung, die im Angesicht palästinensischen Leids auf das Warschauer Getto Bezug nahm, für Irritationen und Widerspruch gesorgt habe, „kann ich daher gut nachvollziehen“.

          Schalev: „Beleidigende Vergleiche“

          Lehmann sprach von „situativ zugespitzten Äußerungen“, von denen „einzelne sicherlich nicht angemessen waren“. Auch diejenigen Bischöfe, die „in scharfem Ton“ über die Lage in den Autonomiegebieten gesprochen hätten, „stellen in keiner Weise die Bedrohung der Israelis durch den Terrorismus in Frage“.

          Zuvor hatte Schalev in einem Schreiben an Lehmann die Äußerungen kritisiert. Diese „beleidigenden und ungerechtfertigten Vergleiche“ untergrüben das Andenken der Opfer des Holocaust. Schalev sagte, er sei „schockiert“ von den Erklärungen mehrerer deutscher Bischöfe. Es sei „legitim“, die israelische Regierung zu kritisieren. Allerdings habe diese Politik „nichts mit der der Nazis zu tun“.

          Knobloch: „Völlig inakzeptabel“

          Der Präsident des päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften, Brandmüller, verteidigte jene Bischöfe, die sich betroffen über die Situation der Palästinenser gezeigt hatten: „Man kann doch nicht in Yad Vashem erschüttert sein und dann über das Elend, das man in Ramallah vor Augen hat, einfach zur Tagesordnung hinweggehen.“ Der Vorwurf des Antisemitismus sei „geradezu absurd“.

          Zugleich mahnte Brandmüller, den Streit zwischen Kirche und jüdischen Spitzenvertretern zu beruhigen. Die Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Knobloch, hatte unter anderem dem Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke vorgeworfen, mit seinem Wort vom „Getto in Ramallah“ einen Vergleich mit der NS-Zeit gezogen zu haben. Frau Knobloch nannte dies „völlig inakzeptabel“. Die Aussagen bedienten Klischees, „die sich hart an der Grenze des Antisemitismus bewegen“.

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