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Simon Wiesenthal ist tot : „Es gibt keine größere Sünde als das Vergessen“

  • Aktualisiert am

Simon Wiesenthal Bild: dpa/dpaweb

Bis ins hohe Alter hat Simon Wiesenthal in seinem kleinen Büro in Wien gearbeitet. Sein Ziel: So viele Nazi-Täter wie möglich der Justiz zuzuführen. Rund 1100 von ihnen will er enttarnt, „keines dieser Foltergesichter je vergessen“ haben. Jetzt ist er im Alter von 96 Jahren gestorben.

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          Im Alter von 96 Jahren ist in Wien der Holocaust-Überlebende Simon Wiesenthal gestorben. Wiesenthal sei in seinem Haus friedlich entschlafen, teilte der Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums, Rabbi Marvin Hier, in Los Angeles mit. „Simon Wiesenthal war das Gewissen des Holocaust“, hieß es auf der Internet-Seite des Wiesenthal-Zentrums. „Als der Holocaust 1945 endete und die ganze Welt nach Hause ging, um zu vergessen, blieb er zurück, um zu erinnern.“ Wiesenthal sei der ständige Vertreter der Opfer gewesen, wild entschlossen, die Täter vor Gericht zu bringen.

          „Es gibt keine größere Sünde als das Vergessen!“ Diese Worte galten Simon Wiesenthal als Lebensmotto. Mehr als 50 Jahre lang suchte der als „Nazijäger“ bekannt gewordene jüdische Architekt von Wien aus nach den Vordenkern und Vollstreckern des Holocausts, des Massenmordes an Millionen Juden. Durch diese Arbeit habe er sich „das Konzentrationslager um vier Jahrzehnte verlängert“, sagte er einst. Er habe „keines dieser Foltergesichter je vergessen“.

          „Recht, nicht Rache“

          Wiesenthal verstand sich stets als Stimme für die sechs Millionen Juden, die im Holocaust ihr Leben verloren. „Ich wollte, daß die Menschen im Rückblick auf die Geschichte wissen, daß die Nazis nicht in der Lage waren, Millionen von Menschen zu töten, ohne straffrei zu bleiben“, sagte Wiesenthal einmal. Er wollte „Recht, nicht Rache“.

          Mai 1973: Der „Nazi-Jäger” zeigt ein Foto des SS-Offiziers Walter Rauff
          Mai 1973: Der „Nazi-Jäger” zeigt ein Foto des SS-Offiziers Walter Rauff : Bild: AP

          1908 in Buczacz in Galizien geboren, das damals zur Donaumonarchie gehörte, war Wiesenthal nach Schulbesuch in Lemberg (Lwiw) und Wien sowie Studium in Prag als Architekt und Bauingenieur in der Ukraine tätig, wo ihn 1941 der Sicherheitsdienst (SD) verhaftete. Bis zur Befreiung aus dem KZ Mauthausen hatte er insgesamt zwölf Konzentrationslager überlebt. Schon dort merkte sich Wiesenthal die Namen von Peinigern, und nach Kriegsende suchte er sie aufzuspüren. Zuerst arbeitete er für das „U.S. War Crime Office“, dann leitete er das Jüdische Zentralkomitee in der amerikanischen Besatzungszone Österreichs.

          „Ich jagte Eichmann“

          1947 gründete Wiesenthal mit 30 anderen Verschleppten in Linz ein Dokumentationszentrum zur Sammlung von Unterlagen über das Schicksal von Juden und deren Verfolger. Die politische Entwicklung während der Zeit des Kalten Kriegs minderte jedoch die Effektivität des Dokumentationszentrums. Wiesenthal resignierte und übergab seine Unterlagen dem „Yad Vashem“-Institut in Israel.

          Die spektakuläre Ergreifung und Verurteilung von SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann 1960/61 nahm Wiesenthal zum Anlaß, ein neues „Dokumentationszentrum des Bundes Jüdischer Verfolgter des Naziregimes“ in Wien unter seiner Leitung zu errichten, das nach seinem Willen auch einen Beitrag zur tabufreien Auseinandersetzung mit der Geschichte des Holocaust zu leisten hatte. Über seine Rolle bei der Aufspürung Eichmanns, die er in dem Buch „Ich jagte Eichmann“ (1960) dokumentierte, sagte er später: „Es war Teamwork. Ich wurde bekannt als einer von vielen, die am Fall Eichmann beteiligt waren.“

          Wiesenthals „schwierigster Fall“

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