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Sieger im Exzellenzwettbewerb : Ludwig-Maximilians-Universität München

  • Aktualisiert am

„Graduate School of Systemic Neurosciences” an der Universität München Bild: ddp

Die einzige Graduiertenschule mit geisteswissenschaftlicher Beteiligung an einer Elitehochschule findet sich an der Universität München. Allein die Hälfte der Fördersumme fließt in die Zukunftskonzeption, ein weiterer Teil in das Exzellenzcluster.

          Die einzige Graduiertenschule mit geisteswissenschaftlicher Beteiligung an einer Elitehochschule findet sich an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Es handelt sich um die „Graduate School of Systemic Neurosciences“. Dort wollen Biologen, Mediziner, Physiker, Mathematiker, Psychologen und Philosophen aus der LMU, der TU München und der drei Max-Planck-Institute gemeinsam die Funktion des Gehirns ergründen und die Grundlagen der Wahrnehmung untersuchen. 30 Forscherkandidaten werden im Jahr aufgenommen, Rektor Bernd Huber spricht langfristig von etwa der Hälfte aller Doktoranden in den Neurowissenschaften. Außerdem fordert er weitere staatliche Zuweisungen für die Elitehochschulen und vor allem das Recht, sich ihre Studenten selbst auszusuchen.

          Huber läßt im Gespräch mit der F.A.Z. keinen Zweifel daran, daß die vier Säulen der LMU (Rechtswissenschaften, Medizin, Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften) erhalten bleiben sollen und es auch keine Umverteilung der Mittel zugunsten der Naturwissenschaften geben darf. Er hofft, daß die zweite Runde der Exzellenzinitiative mehr geistes- und sozialwissenschaftliche Projekte bewilligt, auch wenn die Förderformate für die Geisteswissenschaften nicht ideal seien. Indirekt profitierten die Geisteswissenschaftler in München allerdings auch von den Zukunftsperspektiven der LMU. Sie hätten etwa im „Center for Advanced Studies“ mit einem eigenen Investitionskonzept die Möglichkeit, sich für eine Forschungsprofessur zu bewerben und sich auf diese Weise für zwei bis drei Jahre von Lehre und Verwaltung zu befreien.

          Bald Stiftungshochschule?

          Besonders viel verspricht sich Huber von einem neuen Evaluationsverfahren mit exzellenten auswärtigen Wissenschaftlern, die Forschung und Lehre intern bewerten und Schwächen frühzeitig erkennen lassen. Langfristig strebt die LMU nach den Vorstellungen ihres Rektors eine Stiftungshochschule mit weitgehender Unabhängigkeit von der staatlichen Grundfinanzierung an. Das niedersächsische Beispiel mit den dortigen Stiftungsuniversitäten (ohne eigenes Kapital) und entsprechenden beamtenrechtlichen Schwierigkeiten zwinge jedoch zunächst zur juristischen Klärung. Die große Chance als Elitehochschule mit mehr als 200 Millionen Euro für fünf Jahre sieht Huber darin, alle strukturellen Veränderungen zweckgerichtet zu beginnen und damit Stärken und Schwächen der Hochschule zu integrieren.

          Allein die Hälfte der Gesamtsumme fließt in die Zukunftskonzeption, ein weiterer Teil in das Exzellenzcluster (“Munich Center for Integrated Protein Science“). Im Zentrum der Lebenswissenschaften steht die Forschung an Proteinen, weil diese Struktur und Funktion aller Organismen bestimmen und Reaktionen auf äußere Einflüsse vermitteln. Bisher, erläutert der Sprecher des Exzellenzclusters, konzentrierte sich die Forschung auf einzelne Proteine und isolierte Funktionen. Jetzt müsse die Proteinfunktion auf verschiedenen Ebenen vom isolierten Protein bis zum Protein im lebenden Organismus untersucht werden. Die Forscher erhoffen sich dadurch wichtige Erkenntnisse zur Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen.

          Zwei weitere bewilligte Exzellenzcluster an der LMU beschäftigen sich zum einen mit Photonik (Erzeugung von Lichtquellen der nächsten Generation) und Nanotechnik. Das Forschungsprojekt „Nanosystems Initiative Munich“ soll mit Hilfe von Nanosystemen schon vorhandenes Wissen für Informationsverarbeitung und Lebenswissenschaften nutzbar machen. Aber auch in den Lebenswissenschaften und in der Medizin könnten Mikro- und Nanosysteme ihre Wirkung entfalten - etwa um ein Krebsmedikament selektiv zu den Tumorzellen zu bringen.

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