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Alexis Tsipras und Zoran Zaev : Die Sonnyboys der Sicherheitskonferenz

Hatten merklich gute Laune: Zoran Zaev (l.), Premierminister Nordmazedoniens, und sein griechischer Kollege Alexis Tsipras Bild: dpa

Die Regierungschefs von Griechenland und Nordmazedonien nutzen die Bühne in München, um sich selbst für die Lösung des „Namensstreits“ zu loben – und gute Ratschläge zu verteilen.

          Alexis Tsipras und Zoran Zaev waren die Sonnyboys der diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz. Nicht nur, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel die Regierungschefs Griechenlands und Nordmazedoniens in ihrer viel gelobten Grundsatzrede als leuchtende Beispiele hervorhob.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Nicht allein, dass die beiden in Bayerns Hauptstadt mit dem zweitbekanntesten Kleist-Preis der Republik ausgezeichnet wurden, nämlich der nach Ewald-Heinrich von Kleist benannten Ehrung für Politiker, die sich um Frieden und Konfliktbewältigung verdient gemacht haben. (Dass Tsipras den Preis ausgerechnet aus den Händen des bayerischen Ministerpräsidenten und einstigen Grexit-Befürworters Markus Söder entgegennahm, gehört zu den vielen pittoresken Wendungen seiner Karriere). Tsipras und Zaev durften auch in einer einstündigen Sitzung erklären, warum ihnen gelang, was vielen Politikern heute unmöglich zu sein scheint: Einen Kompromiss zu finden und die Interessen des Nachbarn mitzudenken.

          Besonders Tsipras nutzte die Stunde, um sich zu feiern. Es scheine ihm, dozierte er, als ob der Westen sich von den wertvollsten Lehren der Geschichte abwende, nämlich der Einsicht, dass Fortschritt erst durch gemeinsame Anstrengungen entsteht, durch Dialog, Kooperation und die Suche nach Gemeinsamkeiten. Die Abkehr von Multilateralismus zugunsten von Unilateralismus und Isolationismus werde das nationale Interesse der einzelnen Staaten langfristig nicht schützen, sondern gehe vielmehr zu dessen Lasten. Es sei die „kollektive Pflicht“ von Politikern, das Vertrauen zwischen ihren Völkern wiederherzustellen und in Zusammenarbeit zu investieren.

          Als nachahmenswertes Beispiel führte Tsipras sich selbst an. Alle früheren Versuche zu einer Überwindung des „Namensstreits“ mit Mazedonien (jetzt Nordmazedonien) seien an dem „giftigen und vergifteten Rahmen“ gescheitert, in dem griechische Politiker agiert hätten. „Und letztlich“, so Tsipras über seine Vorgänger, „haben sich alle dieser Logik ergeben – unfähig, den Mut und den politischen Willen zu finden, mit einem Sinn für Patriotismus entschieden an einem Durchbruch zu arbeiten.“ Das war eine Mehrfachohrfeige für alle griechischen Ministerpräsidenten seit 1991. Sie galt zugleich für Oppositionsführer Kyriakos Mitsotakis, der gegen die Lösung des „Namensstreits“ opponiert hatte und nach den spätestens im Oktober anstehenden Parlamentswahlen voraussichtlich Tsipras' Nachfolger als Athener Regierungschef werden wird.

          Ein wenig wie aus dem Poesiealbum des Narzissmus

          Die Geschichte dürfe nicht von jenen geschrieben werden, „die in Furcht und Spaltung investieren. Sie sollte von jenen geschrieben werden, die den Mut und die strategische Weitsicht haben, den Umständen gerecht zu werden“, sagte Tsipras – und meinte damit sich und Zoran Zaev. Geschichte, so Tsipras, werde nicht von jenen geschrieben, die zögerten, furchtsam seien und vor Herausforderungen zurückschreckten. „Geschichte wird von jenen geschrieben, die es wagen, Veränderungen herbeizuführen und sich allen Reaktionen zum Trotz auf die richtige Seite der Geschichte zu stellen.“

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