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Alexis Tsipras und Zoran Zaev : Die Sonnyboys der Sicherheitskonferenz

Griechenland und Mazedonien standen nie im Krieg gegeneinander. Serben und Kosovo-Albaner durchaus, und zwar zuletzt vor nur zwanzig Jahren. Im Kosovo kamen zwischen 1998 und 1999 etwa 13.000 Menschen in blutigen Kämpfen ums Leben. Die meisten Opfer waren Albaner, getötet von serbischen Truppen.

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So folgte in eiskalter Atmosphäre Vorwurf auf Vorwurf. Anfangs sprach Thaci seinen Gegenpart noch als „Präsident Vucic“ an, doch nachdem dieser ihn mehrfach nur als „Herrn Thaci“ bezeichnet hatte, verzichtete auch der Kosovare auf den Titel seines Pendants. Am Ende fiel sogar noch das „Herr“ weg, nur die Nachnamen wurden genannt. Es klang ein wenig nach Schulhof. „Uns interessiert deren Verfassung nicht, weil wir deren Staat nicht anerkennen“, sagte Vucic über die Kosovo-Albaner. „Es ist einfach, ein Drama zu schaffen oder das Opfer zu spielen“, konterte Thaci. Doch die gesamte Welt wisse nun einmal, „dass der serbische Staat, die serbische Polizei und das serbische Militär im Kosovo ethnische Säuberungen verübt haben.“

Vucic drohte mit Blick auf die kosovarischen Handelssanktionen mit Gegenmaßnahmen oder schloss diese zumindest nicht aus: „Glauben Sie wirklich, dass wir Ihnen nicht wehtun können?“. Thaci giftete, „Herr Vucic“ habe immer noch nicht verstanden, „dass ich Präsident eines souveränen Staates bin.“ Vucic fragte Thaci und mit ihm alle Kosovo-Albaner: „Wie kann es sein, dass sie noch immer kein Mitglied der Vereinten Nationen sind? Wie kann es sein, dass sie noch immer kein Mitglied von Interpol sind? Wie kann es sein, dass sie noch immer kein Mitglied der Unesco sind? Sie sind doch, nach ihren Worten, ein konsolidierter, souveräner Staat!“ In Wirklichkeit, antwortete Vucic sich selbst, sei das Kosovo jedoch auf Serbien angewiesen und solle sich nicht einbilden, dies sei nicht so.

Vucic hat bei anderer Gelegenheit einmal gesagt, er möge Thaci nicht – und dieser ihn ebensowenig. Wer die Begegnung der beiden am Samstag verfolgte, wird zustimmen, dass Vucic damit wohl die Wahrheit gesagt hat. Auffällig war, dass weder Vucic noch Thaci die im vergangenen Jahr kolportierte Idee, den serbisch-kosovarischen Konflikt durch einen Territorialtausch zu lösen, direkt erwähnten.

Einig schienen sich beide nur darin, dass eine Lösung des Konflikts zumindest in absehbarer Zeit nicht in Aussicht stehe, man aber dennoch wieder miteinander ins Gespräch kommen müsse. Dafür bleibt ja auch noch Zeit, nimmt man die Überwindung des „Namensstreits“, die Vucic und Thaci in München als nachahmenswertes Beispiel vorgehalten wurde, zum Maßstab. Virulent wurde der „Namensstreit“ 1991 durch die Unabhängigkeitserklärung Mazedoniens. Seither sind 28 Jahre verstrichen. Das Kosovo wurde 2008 unabhängig. Demnach hätten Thaci und Vucic noch bis 2036 Zeit, um ebenso rasch eine Lösung zu finden wie Athen und Skopje.

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