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Sicherheitskonferenz : Der Tag, an dem die Welt zerfiel

  • -Aktualisiert am

Im Osten der Ukraine, hier am Samstag in der Stadt Vuglegirsk, geht der Kampf, der längst einer zwischen Ost und West geworden ist, mit unverminderter Härte weiter Bild: AFP

Vorwürfe, Anschuldigungen, unverhohlene Drohungen: Niemals zuvor in den vergangenen zwanzig Jahren lagen Ost und West so weit auseinander, traten die Differenzen so offen zu Tage wie auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Der Ukraine-Konflikt droht zur Weltkrise zu werden.

          Dieser Samstag wird in die Geschichtsbücher eingehen. Es war ein Tag, in dem ein verunsicherter und uneiniger Westen auf einen zynischen Osten traf, an dem Anschuldigungen ausgetauscht und Drohungen erhoben wurden. Es war ein Tag, an dem vor versammeltem Publikum die Beziehungskrise des Westens mit Russland ausgetragen und kaum mit einem Vorwurf gespart wurde. Es war wie der letzte Streit kurz vor der Trennung.

          Was für ein Unterschied zum gleichen Treffen vor einem Jahr. Damals wogte die Revolution auf dem Maidan, bevor sie wenige Tage später blutig endete, aber das Regime Janukowitsch hinwegfegte. Der Oppositionsführer Witali Klitschko wurde mit Beifall im Hotel Bayerischer Hof begrüßt, er war direkt von den Barrikaden nach München geflogen. Noch war alles offen. Die Russen waren konsterniert, aber die Wut auf den Westen sollte sich erst Monate später Bahn brechen: mit der Abtrennung der Krim und der offen von Russland unterstützen Rebellion im Osten der Ukraine.

          „Sie haben den Traum gehabt, die Gewinner des Kalten Kriegs zu sein“

          Heute sind die Beziehungen eisig geworden, und das war in München bei jeder Begegnung zu spüren. Die Konferenz der Sicherheits- und Verteidigungspolitiker war wie ein unseliges Remake längst vergangener Zeiten. Es gab Streit, Konfrontation, Frust und Ratlosigkeit, wie es bei einer solchen Zusammenkunft noch vor einem Jahr undenkbar erschien.

          Wie auf Treffen während des Kalten Krieges lag offene Feindschaft in der Luft. In einer wüst heruntergerappelten Tirade stellte der russische Außenminister Sergej Lawrow die Ukraine-Krise als den Endpunkt einer langen Liste von Enttäuschungen dar, die vor 25 Jahren mit einem großen Missverständnis des Westens begann: „Sie haben den Traum gehabt, die Gewinner des Kalten Kriegs zu sein.“

          Neue, alte Eiszeit in München: Russlands Außenminister Lawrow, sein amerikanischer Kollege Kerry (v.l.)

          Mit dieser Haltung hätten Westeuropa und Amerika die vergangenen Jahrzehnte gestaltet und Russland wieder und wieder übervorteilt. Die amerikanische Raketenabwehr - „eine Obsession, die wir nicht verstehen“. Die angebliche Entwicklung von Drohnen, die Nuklearwaffen tragen können - eine Vertragsverletzung. Das System bilateraler Gespräche - von den Amerikanern überwiegend auf Eis gelegt. Und dann,  zuletzt, im Vorgarten Russlands: Die Unruhen auf dem Maidan - von der Nato geschürt. Nun müsse Russland auch noch im Verbindungsbüro zur Nato kleinere Räume beziehen.

          Lawrow: Die Welt befindet sich an einem Wendepunkt

          „Die USA haben diese Beziehungen zerstört, nicht wir haben uns aus den Verträgen zurückgezogen. Wir müssen jetzt die Scherben aufsammeln und ein System schaffen, in dem sich alle sicher fühlen. Auch die Ukraine“, rief der russische Außenminister den Zuhörern zu. Es klang beleidigt, es war beleidigt. Doch Lawrow ist kein Jugendpolitiker, und deshalb ließ er keine Gelegenheit aus, die historische Stunde zu beschwören: „Die Welt befindet sich hier an einem Wendepunkt.“ Nun müsse sich der Westen entscheiden, ob er „eine Sicherheitsarchitektur mit, ohne oder gegen Russland errichten wolle“.

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